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In Wingst im Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen) ist bei einem Pferd West-Nil-Fieber bestätigt worden. Nach der aktuellen internationalen Tierseuchenmeldung zeigte eines von fünf Pferden des betroffenen Bestandes klinische Symptome. Der Nachweis erfolgte mittels IgM-ELISA am LAVES Veterinärinstitut Oldenburg und wurde am 6. Oktober 2026 bestätigt. Todesfälle wurden nicht gemeldet. Der aktuelle Fall zeigt: Auch Anfang Oktober muss während der Vektorsaison bei entsprechenden klinischen Symptomen an eine West-Nil-Virus-Infektion gedacht werden.
West-Nil-Fieber bei Pferd im Landkreis Cuxhaven bestätigt
Klinischer WNV-Fall in Wingst – Nachweis durch das LAVES Veterinärinstitut Oldenburg

West-Nil-Virus bei einem Pferd in Niedersachsen: In Wingst im Landkreis Cuxhaven wurde am 6. Oktober 2026 eine WNV-Infektion labordiagnostisch bestätigt. Übertragen wird das Virus vor allem durch Stechmücken.
Foto: EG Hellwig/AVA]
- 07.10.2026
In einem Pferdebestand in Wingst, Landkreis Cuxhaven, ist eine Infektion mit dem West-Nil-Virus (WNV) nachgewiesen worden. Deutschland meldete den Fall am 7. Oktober 2026 über das internationale Tierseuchen-Informationssystem WAHIS an die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH).
Der betroffene Bestand wird als landwirtschaftlicher Betrieb („Farm“) in Wingst, Samtgemeinde Land Hadeln bzw. im Bereich Am Dobrock, angegeben. Das Ereignis begann nach den Meldedaten am 30. September 2026. Die labordiagnostische Bestätigung erfolgte am 6. Oktober 2026.
Insgesamt werden fünf empfängliche Pferde angegeben. Ein Pferd erkrankte klinisch, Todesfälle traten nach den vorliegenden Angaben nicht auf. Es wurden weder Tiere aufgrund des Ereignisses getötet noch zur Schlachtung abgegeben.
IgM-Antikörper gegen West-Nil-Virus nachgewiesen
Die Untersuchung wurde am LAVES Veterinärinstitut Oldenburg durchgeführt. Mittels IgM-ELISA wurden Antikörper gegen das West-Nil-Virus nachgewiesen. Der Test wurde am 6. Oktober 2026 positiv bewertet.
Gerade bei einem klinisch auffälligen Pferd ist der IgM-Nachweis von besonderer diagnostischer Bedeutung. Das LAVES bezeichnet den WNV-IgM-Antikörper-ELISA bei klinischem Verdacht als Methode der Wahl.
Stechmücken übertragen das Virus
Das West-Nil-Virus gehört zur Familie der Flaviviren. Der natürliche Infektionszyklus läuft im Wesentlichen zwischen Vögeln und Stechmücken ab. Infizierte Mücken können das Virus auf Pferde und Menschen übertragen.
Pferde und Menschen gelten dabei als Fehl- beziehungsweise Endwirte: Die bei ihnen auftretende Virämie reicht in der Regel nicht aus, um den Infektionszyklus über Stechmücken aufrechtzuerhalten.
Bei Pferden verlaufen viele WNV-Infektionen klinisch unauffällig. Bei einem Teil der erkrankten Tiere können jedoch neurologische Symptome auftreten. Gerade diese Verlaufsformen sind für die tierärztliche Praxis von besonderer Bedeutung.
West-Nil-Virus ist in Deutschland etabliert
Der aktuelle Nachweis darf nicht als erstmaliges Wiederauftreten von WNV in Deutschland missverstanden werden. Das Virus ist in Deutschland bereits seit mehreren Jahren nachgewiesen und hat sich in verschiedenen Regionen etabliert.
Auch Niedersachsen verzeichnete bereits zahlreiche Nachweise. Das LAVES berichtete für das Jahr 2024 insgesamt 72 WNV-Nachweise bei Vögeln und Pferden aus 21 niedersächsischen Landkreisen beziehungsweise kreisfreien Städten.
Die in der internationalen WAHIS-Meldung verwendete Formulierung „Wiederauftreten einer ausgerotteten Krankheit“ ist deshalb im Kontext der standardisierten internationalen Meldesystematik zu verstehen und sollte nicht dahingehend interpretiert werden, dass Deutschland zwischenzeitlich generell frei von West-Nil-Virus gewesen sei.
AVA: Auch im Oktober bei neurologischer Symptomatik an WNV denken
Für die tierärztliche Praxis ist insbesondere der Zeitpunkt des aktuellen Falls bemerkenswert. Der Beginn des Ereignisses am 30. September zeigt, dass die WNV-Differenzialdiagnostik mit dem kalendarischen Herbstbeginn keineswegs erledigt ist.
Solange geeignete Vektoren aktiv sind, können Infektionen stattfinden. Bei Pferden mit neurologischen Symptomen sollte deshalb abhängig von Anamnese, Region und epidemiologischer Situation auch im Herbst eine WNV-Infektion in die differenzialdiagnostischen Überlegungen einbezogen werden.
Neben der klinischen Wachsamkeit bleiben Vektorschutz und Impfung wichtige Bausteine der Prävention. Für Pferde stehen Impfstoffe gegen das West-Nil-Virus zur Verfügung.
AVA-Fazit: Der aktuelle WNV-Fall in Wingst zeigt erneut, dass vektorübertragene Infektionen auch im Herbst veterinärmedizinisch aktuell bleiben. Entscheidend sind klinische Aufmerksamkeit, gezielte Diagnostik und eine vorausschauende Prävention.
Quelle:
World Organisation for Animal Health (WOAH), WAHIS – Deutschland, West-Nil-Fieber, Ereignis-ID 7887, Ausbruch 26-416-00037, Bericht IN_186372 vom 07.10.2026.
Zusätzliche Quelle:
LAVES – Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Informationen zum West-Nil-Virus und zur WNV-Diagnostik bei Pferden.












