Rufen Sie uns an: +49 (0) 2551-78 78
NEWS
von der AVA und aus der Branche
Aktuelle Bildaufnahmen zeigen das leere Schweinehochhaus- 2 Personen wegen Tierquälerei verurteilt
Über kaum ein landwirtschaftlicher Betrieb wurde so häufig berichtet, wie über das Schweinehochhaus. Für viele ist es das Symbol der Massentierhaltung geworden.
Auf sechs Etagen wurden insgesamt zehntausende Sauen und Ferkel gehalten. Transportiert wurden die Tiere über Fahrstühle, dies ist und war bislang einzigartig in ganz Europa. Das in DDR-Zeiten erbaute Schweinehochhaus galt damals als Vorzeigebetrieb. Statt in die Breite ging man hier architektonisch in die Höhe. Damit sollten die Arbeitsabläufe kostengünstiger werden. „Doch der Profit ging einzig auf Kosten der Tiere“ so Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Tierschutzbüro e.V.
Hier ein kurzer Abriss der erfolgreichen Kampagne „Schweinehochhaus schließen“:
2013 dokumentierten erstmals Aktivist*innen vom Deutschen Tierschutzbüro die grausamen Zustände im Schweinehochhaus. Die Sauen mussten in engen Käfigen (Kastenständen) leben und leiden. Die erste Strafanzeige wurde gestellt.
2015 erfolgte die erste Groß-Demo direkt vor dem Schweinehochhaus mit hunderten Teilnehmer*innen. Im Zuge der Demo äußerte sich auch der Betreiber und versicherte, dass man alles tun würde, dass die Tiere artgerecht gehalten werden – eine dreiste Lüge, wie sich später rausstellte.
2016 wurde die in 2013 gestellte Anzeige eingestellt. Erneut dokumentierten Tierrechtler*innen die Zustände. Zu diesem Zeitpunkt wurden immer noch Sauen im Käfig (Kastenstand) gehalten. Wiedermals konnte dokumentiert werden, dass die Tierhaltung gegen das Gesetz verstieß, wieder erfolgte eine Strafanzeige und wieder demonstrierten Tierrechtler*innen für eine Schließung des Schweinehochhauses, dieses Mal mit über 400 Teilnehmer*innen. Der Betreiber ging juristisch gegen den Vorstandsvorsitzenden vom Deutschen Tierschutzbüro Jan Peifer vor und scheiterte. Die Anzeige wegen Hausfriedensbruch wurde eingestellt.
2017/2018 dokumentierten wieder Tierrechtler*innen die Zustände im Schweinehochhaus. Diesmal wurden versteckte Kameras montiert und über 500 Stunden Videomaterial aufgezeichnet. Dabei wurden die schlimmsten Befürchtungen zur Realität. Erstmalig gelang es, das brutale Vorgehen der Mitarbeiter*innen im Schweinehochhaus zu filmen. So wurden Ferkel brutal auf den Betonboden geschlagen, um sie zu töten. Zudem wurden Sauen in den Kastenständen durch rohe Gewalt misshandelt und viele weitere Tiere wurden geschlagen, getreten und gequält. Viele Medien berichteten daraufhin über die grauenvollen Zustände und es erfolgte die bisher größte Demo vor der Schweinezuchtanlage mit über 650 Menschen aus ganz Deutschland. Auch die Behörden handelten und bei einer damaligen Kontrolle wurden offiziell Missstände vorgefunden. Die Kampagne „Schweinehochhaus schließen“ nahm an Fahrt auf. So wurde dem Betreiber der sogenannte symbolische Preis der Herzlosigkeit und dem Landwirtschaftsministerium eine Petition mit 281.882 Unterschriften zur Schließung des Schweinehochhauses überreicht. Nun sah sich der Betreiber auch gezwungen, zu handeln und ließ über eine Art Pressemitteilung verlautbaren, dass er das Schweinehochhaus bis Oktober 2018 „leerfahren“ würde, dies erfolgte dann auch.
2019 und 2020: Jeweils im September überprüften Tierrechtler*innen, ob das Schweinehochhaus auch wirklich noch immer leer ist.
„Wir freuen uns über den enormen Erfolg unserer Kampagne, denn jeder Tag, an dem keine Tiere im Schweinehochhaus gequält werden, ist ein guter Tag“ so Jan Peifer. Kritik äußert Peifer und seine Mitstreiter*innen aber auch gegenüber dem zuständigen Veterinäramt. „Jahrelang hat das Amt dabei zugeschaut, wie Tiere gequält werden und hat bei den Kontrollen wohl beide Augen fest zugedrückt, erst die versteckten Aufnahmen brachten an die Öffentlichkeit, was jede*r ohnehin schon wusste: Im Schweinehochhaus werden Tiere gequält“ so Peifer.
Wie nun bekannt wurde, konnte das Veterinäramt bei einer Kontrolle im März 2018 eine lange Liste von Mängeln feststellen. So war der Allgemeinzustand bei vielen Tieren sehr schlecht, die hygienischen Zustände eine Katastrophe und zudem wurden bauliche Mängel festgestellt (Spaltenbreiten entsprachen nicht den gesetzlichen Vorgaben). Auch wurden Ferkelkadaver pathologisch untersucht und bei mindestens einem Tier wurde festgestellt, dass die Betäubung und Tötung zuvor nicht rechtskonform durchgeführt worden ist. Auch die Staatsanwaltschaft wurde daraufhin endlich aktiv und erließ Strafbefehle gegen zwei Mitarbeiter*innen mit dem Vorwurf: Tierquälerei. Als Beweis dienten dabei die Videoaufnahmen vom Deutschen Tierschutzbüro, die das unsachgemäße Töten von Ferkeln abbildeten. Das Verfahren ist nach Informationen des Deutschen Tierschutzbüros nun abgeschlossen und die Strafbefehle sind rechtskräftig. So wurde ein*e Mitarbeiter*in zu einer Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu 25 Euro (also 875 Euro) und ein*e andere*r Mitarbeiter*in zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu 20 Euro (also 900 Euro) verurteilt. Zu zahlen ist die Strafe an eine Tierschutzeinrichtung. Zudem ist eine der beiden Personen entlassen worden, die andere Person wurde abgemahnt. „Wir hätten uns deutlich höhere Strafen gewünscht, dennoch sind wir zufrieden, dass es überhaupt zu einer Verurteilung gekommen ist, in den meisten Fällen erfolgt leider eine Einstellung“ so Peifer.
„Ob in die Höhe oder in die Breite gebaut, das Schweinehochhaus ist quasi überall, solange Schweine in Zuchtanlagen ausgebeutet und gequält werden“ so Peifer. Damit diese Tierquälerei überall beendet wird, empfehlen die Tierrechtler*innen die pflanzliche Lebensweise, denn kein Tier will leben wie im Schweinehochhaus… .
Hitzestress: Klimawandel macht 30% der Rinder unfruchtbar
Der Klimawandel trifft auch die Milchviehbetriebe in Niederösterreich mit voller Wucht. Die Zahl der erfolgreichen Trächtigkeiten sinkt dramatisch.
Nicht nur wir Menschen stöhnen unter den immer heißeren Tagen – auch Rinder leiden. Und zwar massiv: Die Zahl der erfolgreichen Schwangerschaften und die Milchleistung sinkt dramatisch, wie eine neue Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt.
Hitzestress mindert erfolgreiche Fortpflanzung
In Wieselburg und Pottenstein untersuchte ein Forschungsteam rund um Projektleiter Viteszlav Havlicek erstmals konkret, wie sich Hitzetage auf die Fruchtbarkeit der Tiere auswirken – mit alarmierendem Ergebnis: "Die Trächtigkeitsrate ging zuletzt wegen Hitzestresses um zehn bis 20 Prozent zurück. In extremen Fällen kann die Trächtigkeitsrate noch stärker sinken", so Havlicek gegenüber dem "ORF NÖ".
Die Ursache liege tief im Körper der Tiere: Forscher entnahmen Rindern Eileiterflüssigkeit und setzten sie künstlich erhöhter Temperatur aus.
Dabei zeigte sich, dass Hitze die Embryonen schädigt und sogar die Eileiterumgebung negativ beeinflusst. "Eizellen schlechterer Qualität würden nicht mehr befruchtet und Embryonen sterben zum Teil bald nach der Befruchtung wieder ab", erklärt Havlicek weiter gegenüber dem ORF…. .
Grasende Rinder erhöhen die Artenvielfalt
Sie sind robust, wetterfest - und bald auf universitärem Boden unterwegs: Schottische Hochlandrinder sollen künftig die ökologischen Ausgleichsflächen des Medizincampus der Universität Augsburg pflegen. So wird die biologische Vielfalt aktiv gefördert. Damit werden die vielen Aktivitäten für mehr Biodiversität am Uni-Campus im Süden der Stadt auf das Umfeld der Medizinischen Fakultät ausgeweitet.
Die Flächen befinden sich westlich des Medizincampus der Universität Augsburg und dienen als ökologischer Ausgleich für dessen errichtete Gebäude. Sie sollen durch die grasenden Rinder ökologisch aufgewertet werden - die biologische Vielfalt an Pflanzen und Tieren vergrößert sich.
Die Wahl fiel bewusst auf schottische Hochlandrinder: Sie sind robust, trittsicher und benötigen weder Stall noch Zufütterung. Durch ihr Verhalten entstehen natürliche Trittpfade, lichte Bereiche und strukturreiche Vegetation - ideale Bedingungen für zahlreiche Insekten-, Vogel- und Pflanzenarten. Gleichzeitig tragen die Tiere zur Aufwertung des Geländes bei. Das Beweidungsprojekt schafft ein offenes Landschaftsbild, das nicht nur ökologisch, sondern auch visuell ansprechend ist - ein Ort, an dem sich Menschen und Natur begegnen können.
Bewährte Partnerschaft für mehr Biodiversität
Die Universität setzt das Projekt gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg um, der bereits mehrere ähnliche Projekte im Stadtgebiet betreut und mit dem die Universität in vielen Bereichen zusammenarbeitet. Die Tiere selbst stammen aus dem landwirtschaftlichen Betrieb von Helmut Schachner aus Neusäß.
"Diese Fläche der Universität Augsburg birgt große Potenziale für den Artenschutz. Es haben sich bereits seltene Tier- und Pflanzenarten angesiedelt. Die extensive Rinderbeweidung wird die Artenvielfalt fördern", ist sich Nicolas Liebig, Geschäftsführer vom Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg, sicher.
Der Verband übernimmt neben der Organisation und Pflege der Flächen auch die Abstimmung mit dem Tierhalter und stellt sicher, dass alle Vorgaben des Naturschutzes erfüllt werden. Die Universität Augsburg unterstützt dabei und finanziert die Maßnahme.
"Die weidenden Rinder schaffen nicht nur Lebensräume für Pflanzen und Tiere, sondern laden auch Menschen zum Innehalten ein", sagt Prof. Dr. Jens Soentgen vom Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität. "Naturnah gestaltete Flächen wirken nachweislich positiv auf das Wohlbefinden - ein Aspekt, der gerade im Umfeld des Medizincampus besonders bedeutsam ist. Mit dem Landschaftspflegeverband setzen wir dabei eine lange und bewährte Partnerschaft fort."… .
Podcast: Einbrüche in Tierställe: Dürfen Tierschützer Gesetze missachten?
Immer wieder stehen Aktivisten vor Gericht, weil sie in Ställe eindringen, um Missstände mit Kameras zu dokumentieren. Der Bauernverband sieht darin einen Angriff auf die Rechtsordnung – doch manchmal sprechen Gerichte die Aktivisten frei.
Am Landgericht Oldenburg klagt ein Schlachthof-Betreiber gegen zwei Tierrechtsaktivisten. Es geht dabei um Videoaufnahmen aus einer Anlage, in der Schweine betäubt werden. Die Aktivisten haben diese Videos heimlich gemacht. Der Geschäftsführer des Schlachthofs wirft ihnen unter anderem Hausfriedensbruch und Rufschädigung vor und fordert, dass sie die Bilder nicht länger verbreiten und ihm Schadensersatz zahlen.
Es ist ein Konflikt, der immer wieder vor Gerichten verhandelt wird. Richter müssen dann entscheiden, was im konkreten Fall juristisch mehr Gewicht hat: die Aufdeckung von Tierleid oder das Hausrecht und die unternehmerische Freiheit von Landwirten?... .
Diskutiert wird im Podcast:
Mental HealthZoetis veröffentlicht Whitepaper zur Stärkung der Fachkräftebindung in der Veterinärmedizin
77 % der Tierärzt*innen in Deutschland haben im vergangenen Jahr aufgrund arbeitsbedingter psychischer Gesundheitsprobleme eine Auszeit genommen – das ergab eine Umfrage von Zoetis.
Das Whitepaper stützt sich auf ein mehrstufiges Forschungsprogramm, das darauf ausgelegt war, sowohl die Breite als auch die Tiefe des Problems der Mitarbeiterbindung in der Veterinärbranche zu erfassen.
Ein neues Whitepaper von Zoetis zeigt, dass über 87 % der befragten Tierärzt*innen weltweit steigenden Nachfrage nach Veterinärdiensten. Aktuell fordern 35 % der deutschen Tiermedizinermediziner*innen sowie führende Vertreter*innen der Branche politische Entscheidungsträger*innen und die tierärztliche Gemeinschaft dazu auf, die notwendigen systemischen Änderungen vorzunehmen, um das dringende Problem der Mitarbeiterbindung anzugehen.
Warum das Thema dringlich ist
Die Entwicklung zeichnet sich zu einem Zeitpunkt ab, an dem die Nachfrage nach tierärztlichen Leistungen stetig wächst – bedingt durch immer mehr Haustiere, die Sicherstellung der Lebensmittelsicherheit in der Nutztierhaltung sowie das Auftreten neuer Zoonosen, die veterinärmedizinische Überwachung und Prävention erfordern.
Drei zentrale Handlungsfelder
Das Whitepaper identifiziert 3 Bereiche, in denen Veränderungen dringend notwendig sind, um die Situation der Tierärzteschaft zu verbessern:
- Neugestaltung der tierärztlichen Praxis: Wie in vielen anderen Berufen bedarf es flexiblerer und nachhaltigerer Arbeitsmodelle, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern – etwa durch angepasste Dienstpläne, den Einsatz digitaler Tools zur Entlastung sowie eine stärkere Einbindung von Tiermedizinischen Fachangestellten. Bereits kleine Veränderungen wie Mentoring-Programme und klare Pausen haben in manchen Praxen zu positiven Effekten geführt.
- Bessere Anpassung an Bedürfnisse der Kund*innen: Viele Tierärzt*innen fühlen sich durch steigende Erwartungen ihrer Kund*innen überfordert. Das Whitepaper empfiehlt gezielte Kommunikationstrainings, digitale Lösungen für das Kundenmanagement und mehr Unterstützung bei emotional belastenden Gesprächen mit Tierhalter*innen.
- Erweiterung des beruflichen Nachwuchses: Der Aufbau einer vielfältigen Belegschaft ist entscheidend, um den langfristigen Anforderungen des Berufsstandes gerecht zu werden. Aktuell rekrutiert die Branche jedoch aus einem sehr homogenen Pool – 96 % der Fachkräfte sind weiß und überwiegend weiblich. Um den langfristigen Bedarf zu decken, braucht es diversere und inklusivere Rekrutierungsstrategien.
Ein Appell an die gesamte Branche
Dr. Stephanie Armstrong, Tierärztin und Regionalpräsidentin, Asien-Pazifik und Afrika, bei Zoetis, betont, dass die Unterstützung von Veterinärfachkräften einen umfassenderen, branchenweiten Einsatz erfordert: „Um dem Fachkräftemangel in der Veterinärmedizin wirksam zu begegnen, reicht es nicht aus, nur das individuelle Wohlbefinden in den Blick zu nehmen – gefragt sind tiefgreifende strukturelle Veränderungen. Nur wenn wir bessere Arbeitsbedingungen schaffen und gezielte Unterstützung bieten, können wir sicherstellen, dass Tierärzt*innen auch künftig ihre unverzichtbaren Aufgaben für unsere Gesellschaft erfüllen können.“
Julia von Gablenz, Regionalpräsidentin für Europa und den Nahen Osten bei Zoetis, unterstreicht diese Aussage: „Wir wissen, wie entscheidend die enge Zusammenarbeit mit Partnern aus der Branche ist, um tragfähige Lösungen zu entwickeln, die Tierärz*innen nachhaltig unterstützen. Die Herausforderungen, vor denen der Berufsstand steht, lassen sich nur mit einem langfristig angelegten, gemeinsamen Ansatz bewältigen – einem Ansatz, der die sich wandelnden Anforderungen der Veterinärmedizin ernst nimmt. Dieses Whitepaper liefert wertvolle Impulse für eine widerstandsfähigere und zukunftsfähige Branche. Wir freuen uns darauf, den Dialog mit relevanten Akteuren fortzusetzen und gemeinsam konkrete nächste Schritte auf den Weg zu bringen.“
Aufruf zur Sicherung der Zukunft der Veterinärmedizin
Das Whitepaper versteht sich als Weckruf und Handlungsanleitung zugleich: Tierärzt*innen leisten einen essenziellen Beitrag zur Gesellschaft – sei es bei der Versorgung von Haustieren, die zunehmend als Familienmitglied wahrgenommen werden, bei der Sicherstellung der Lebensmittelsicherheit und -versorgung oder der Überwachung von Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragbar sind. Angesichts der steigenden Nachfrage nach tierärztlichen Leistungen in Europa ist es von öffentlichem Interesse, die Ursachen für den Berufsausstieg zu bekämpfen.
Dr. Gunila Pedersen, Tierärztin, sagt: „Das Problem ist, dass die meisten von uns gar nicht merken, dass sie ausgebrannt sind – wir machen einfach weiter und denken, mit uns stimmt grundsätzlich etwas nicht. Es ist leicht zu glauben, dass wir einfach nicht für diesen Beruf gemacht sind, obwohl viele von uns schon mit 5 Jahren Tierärzt*in werden wollten. Für uns ist es selbstverständlich, einfach ‚weiterzumachen‘ – aber es muss sich etwas ändern. Wir brauchen die richtigen Werkzeuge und Strukturen, damit wir die Arbeitsbelastung nicht mit nach Hause nehmen.“
Dr. Ann Criel, Vizepräsidentin der Federation of European Companion Animal Veterinary Associations (FECAVA), teilt ihre Perspektive: „FECAVA vertritt über 30.000 Kleintierärzt*innen in ganz Europa, und in meinen 35 Jahren Berufserfahrung habe ich gesehen, wie sich unser Beruf immer schneller verändert. Neue Herausforderungen wie Telemedizin, Konzernpraxen und Fachkräftemangel verändern unsere Arbeitsweise, während die Erwartungen der Kundschaft weiter steigen. Diese Belastungen tragen zum Burnout bei und erschweren es, Fachkräfte im Beruf zu halten. Einzellösungen wie Mentoring oder flexible Rollen helfen, aber wir brauchen breitere, koordinierte Maßnahmen. Es ist an der Zeit, den Beruf zu stärken, Resilienz aufzubauen und uns auf die Zukunft vorzubereiten. Dieses Whitepaper ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.“
Gemeinsam zur Lösung
Zoetis ruft alle Akteure im europäischen Veterinär- und Tiergesundheitssektor dazu auf, die Erkenntnisse des Whitepapers zu prüfen und sich an einem gemeinsamen Vorgehen zur Umsetzung von Lösungen zu beteiligen. Indem wir die Menschen unterstützten, die sich um Tiere kümmern, sichern wir das Tierwohl, unterstützen Ernährungssysteme und schützen die öffentliche Gesundheit. Dafür zu sorgen, dass Tierärztinnen und Tierärzte erfolgreich, innovativ und zukunftsfähig arbeiten können, ist nicht nur eine Priorität – es ist eine Notwendigkeit. Die Zeit zu handeln ist jetzt.
Der Bedarf an systemischen Lösungen spiegelt sich auch in der Arbeit europäischer Veterinärverbände wider. Dr. Nancy De Briyne, Geschäftsführerin der Federation of Veterinarians of Europe (FVE), sagt: „Das Whitepaper von Zoetis hebt zu Recht die dringende Notwendigkeit systemischer Veränderungen hervor, um die Zukunft der Veterinärmedizin zu sichern – die sowohl für die Tier- als auch für die menschliche Gesundheit von entscheidender Bedeutung ist. Das Wohlbefinden von Tierärzt*innen sowie Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) zu fördern, ist nicht nur das Richtige – es ist unerlässlich für den Aufbau einer widerstandsfähigen, nachhaltigen Belegschaft. Über www.VetJoy.org, unterstützt von Zoetis und der Zoetis Foundation, bietet die FVE umfassende Karriereunterstützung, Ressourcen zur psychischen Gesundheit und berufliche Weiterentwicklung für Tierärzt*innen in jeder Phase ihrer Laufbahn.“
Über das Whitepaper
Der Tierärzt*innen-Beruf im 21. Jahrhundert: Whitepaper für eine starke, gesunde und zukunftsfähige Veterinärbranche (englischer Originaltitel: Transforming veterinary practice for the 21st century: Building a thriving workforce to meet evolving client expectations and support workplace wellbeing), durchgeführt im Juni 2025.
Das Whitepaper stützt sich auf Erkenntnisse aus einem mehrstufigen Forschungsprogramm, das darauf ausgelegt war, sowohl die Breite als auch die Tiefe des Problems der Mitarbeiterbindung in der Veterinärbranche zu erfassen. Die Erkenntnisse stammen aus einer Kombination von globaler Literaturrecherche (mit qualitativen und quantitativen Untersuchungen), ausführlichen Interviews mit Tierärzt*innen und Branchenexpert*innen, einer ganztägigen Roundtable-Diskussion mit Branchenvertreter*innen und Tierärzt*innen sowie statistischen Ergebnissen aus einer breit angelegten Umfrage, die in Tierarztpraxen in ganz Europa durchgeführt wurde. Das Umfragepanel bestand aus 1083 Tierärzt*innen (männlich und weiblich) aus dem Vereinigten Königreich, Irland, Spanien, Italien, Deutschland, Frankreich, Belgien und Dänemark. Das Alter der Teilnehmenden lag bei 22 Jahren und älter, und sie arbeiteten sowohl in Kleintier- als auch Großtier- beziehungsweise Nutztierpraxen.
Das Originalpaper
Den Link zum englischsprachigen Whitepaper finden Sie hier
Quelle (nach Angaben von):
Zoetis veröffentlicht Whitepaper zur Stärkung der Fachkräftebindung in der Veterinärmedizin | Zoetis. 11.06.2025
Neues digitales Tierarztmodell zwischen Praxis und Klinik: Tierarztpraxis startet in digitale Zukunft
IIn Pempelfort hat mit „Filu“ eine voll digital ausgestattete Tierarztpraxis aufgemacht. Das Team sieht sich an der Schnittstelle zwischen dem klassischen niedergelassenen Veterinär-Modell und einer 24/7-Tierklinik. Zielgruppe: eine junge, zahlungskräftige Klientel mit hohem Anspruch.
enn das geliebte Haustier krank wird, kann es teuer werden. Seit die Tierärztekammer im November 2022 die Gebührenordnung erhöht hat, schlagen selbst die für Hunde beispielsweise regelmäßig nötigen Schutzimpfungen mit durchschnittlich 70 Euro zu Buche. Hinzu kommen eventuell noch weitere Kosten für Untersuchungen oder Medikamente.
Viele Veterinäre mit eigener Praxis arbeiten dabei nicht selten am Limit ihrer Kapazitäten. Insbesondere dann, wenn sie nicht alle Kosten auf ihre Kunden abwälzen und trotzdem noch wirtschaftlich agieren wollen. Das führt immer öfter zu Zusammenschlüssen oder zur Aufgabe der eigenen Praxis.
Längst haben Betreiberketten und Investoren das große Geschäft rund ums Haustier für sich entdeckt. Denn der Branchenumsatz lag laut Statistischem Bundesamt 2022 bei 5,1 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Das weckt Begehrlichkeiten. Unternehmen wie der amerikanische Nahrungsmittelriese Mars mit seiner Sparte PetCare kaufen sich in bestehende Praxen ein oder eröffnen gleich selbst Kliniken… .
INFO: 12.000 Praxen: Deutschlandweit gab es 2023 noch mehr als 12.000 inhabergeführte Tierarztpraxen, die meisten davon in Bayern. 2025 sind es 7444, davon 1405 in NRW.
Marktführer Mars PetCare gehörten 2023 bereits 475 Praxen und Tierkliniken in 13 europäischen Ländern mit rund 7000 Mitarbeitenden, davon 4500 Tierärzte.
Die 2019 gegründete Tierarzt Plus GmbH hat 15 Standorte in NRW.
Auf Platz drei firmiert die 2012 in Schweden gegründete Evidensia Deutschland GmbH, die in Düsseldorf beispielsweise die Kleintierklinik an der Volmerswerther Straße betreibt… .
Schweinehalter hoffen auf Eindämmung von Tierseuche ASP
Nach den ersten Fällen von Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen in Nordrhein-Westfalen sind Schweinehalter zuversichtlich, dass das Seuchen-Geschehen regional begrenzt bleibt.
|
Parlamentarischer Abend der IDH
Schleswig-Holstein arbeitet an umfassender Präventionsstrategie
Der parlamentarische Abend der Interessengemeinschaft der Heilberufe in Schleswig-Holstein am Donnerstag stand ganz im Zeichen der Prävention. Landesgesundministerin von der Decken sieht darin „gelebte Verantwortung“ und kündigte für das Land eine Präventionsstrategie an, die alle Lebensbereiche umfassen soll. Dabei setzt sie auf den engen Austausch mit den Heilberuflern.
Am gestrigen Donnerstag lud die Interessengemeinschaft der Heilberufe in Schleswig-Holstein (IDH) zu ihrem parlamentarischen Abend in Kiel ein. In der IDH sind die Berufsorganisationen aller akademischen Heilberufe des Landes vereint. Sie dient dem berufspolitischen Austausch und der gemeinsamen Interessenvertretung. Zentrales Thema der diesjährigen Veranstaltung war die Prävention. Der parlamentarische Abend fand erstmals im Gebäude der Zahnärztekammer statt.
Als „Hausherr“ betonte Dr. Michael Brandt, Präsident der Zahnärztekammer, die engen Verbindungen zwischen Mundgesundheit und allgemeiner Gesundheit. Damit würden sich weitere Möglichkeiten für die Prävention in Zahnarztpraxen eröffnen. Hans-Günter Lund, Vorsitzender des Apothekerverbandes und turnusmäßiger Vorsitzender der IDH, würdigte die schleswig-holsteinische Gesundheitsministerin als „immer gute Ansprechpartnerin“. Auf Bundesebene sei hingegen in der vorigen Legislatur nach Effizienzreserven im Gesundheitswesen gesucht worden. Die könne es aber nicht geben. Denn ohne Effizienz könnten die Leistungserbringer schon längst nicht arbeiten, erklärte Lund. Das Problem seien stattdessen die „Risse im System“, beispielsweise durch fehlenden Nachwuchs und Lieferengpässe. Mit Blick auf die IDH betonte Lund den wertschätzenden Austausch zwischen den Berufsgruppen und die gemeinsame Suche nach Lösungen als Besonderheit der Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein.
Dr. Evelin Stampa, Präsidentin der Tierärztekammer, verwies auf das „One-Health“-Konzept. Gesunde Tiere seien als Lebensmittel für gesunde Menschen wichtig. Von der Politik wünscht sie sich „nicht so viel Schreibkram“… .
Tierleid in Italiens Ställen – Südtirol bleibt saubere Ausnahme
Eine neue Untersuchung des internationalen Journalistenkollektivs AGtivist bringt erschütternde Zustände in Italiens industrieller Tierhaltung ans Licht. Besonders betroffen: große Geflügel- und Schweinemastanlagen wo Tiere unter schwersten Bedingungen leben.
Ganz anders das Bild in Südtirol: Das Land weist laut der Analyse keine Massentierhaltungsbetriebe auf und gilt damit als positive Ausnahme in einem besorgniserregenden europäischen Trend.
Italiens Ställe in der Kritik
„Italien gehört zu den Ländern mit der höchsten Anzahl an intensiven Schweine- und Hühnerzuchtbetrieben in Europa“, heißt es in der Studie. In mehreren dokumentierten Fällen wurden Hühner etwa in Anlagen bei Bergamo und Brescia unter Bedingungen gehalten, die als tierschutzwidrig gelten: Tiere lebten in ihren eigenen Exkrementen, konnten sich wegen genetisch beschleunigten Wachstums kaum mehr bewegen, tote Tiere blieben wochenlang im Stall liegen.
Südtirol als Gegenmodell
Dazu die Vorsitzende der Autonomiegruppe im italienischen Senat, Julia Unterberger (SVP): „Diese Zustände sind alarmierend und zeigen deutlich, wie zerstörerisch das Modell industrieller Tierhaltung ist – nicht nur für die Tiere, sondern auch für Umwelt und Gesundheit. Südtirol beweist hingegen, dass es anders geht.“
In Südtirol setzt die Landwirtschaft traditionell auf kleinere, familiengeführte Betriebe, lokale Wertschöpfung und artgerechte Haltung. Massentierhaltung im industriellen Stil gibt es hier nicht. Auch die politische Förderung hochwertiger Lebensmittel und nachhaltiger Strukturen trägt dazu bei, dass das Land einen eigenen Weg geht – im Gegensatz zum restlichen Italien, wo die industrielle Fleischproduktion weiter zunimmt.
Kleine Höfe unter Druck
Der europäische Trend verschärft die Lage zusätzlich: In den letzten 15 Jahren haben 44 Prozent der kleinen und mittleren Betriebe EU-weit aufgegeben, während die Zahl industrieller Anlagen um 56 Prozent gestiegen ist. Auch in Italien verschwinden zunehmend traditionelle Höfe – sie werden von Großbetrieben verdrängt, die auf maximale Ausbeute bei minimalen Kosten setzen.
Forderung nach klaren Regeln
Das ist eine gefährliche Entwicklung. Wer hohe Standards beim Tierwohl einhält, kann mit Billigfleisch aus der industriellen Massenproduktion kaum konkurrieren. Unterberger fordert daher „strenge gesetzliche Vorschriften zur Regelung der Massentierhaltung einzuführen. Die Wertschätzung hochwertiger Lebensmittel, die sich auch im Preis ausdrückt, muss das Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaftspolitik sein.“
Ein Weg mit Zukunft
Südtirol zeigt, dass Qualität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft keine Zukunftsvision, sondern gelebte Realität sein können. Während in anderen Teilen Italiens der Preisdruck auf Kosten von Tierwohl und Lebensmittelsicherheit steigt, bleibt Südtirol ein stabiles Modell für verantwortungsvolle Landwirtschaft.
Zoetis veröffentlicht Whitepaper zur Stärkung der Fachkräftebindung in der Veterinärmedizin
77 % der Tierärzt*innen in Deutschland haben im vergangenen Jahr aufgrund arbeitsbedingter psychischer Gesundheitsprobleme eine Auszeit genommen – das ergab eine Umfrage von Zoetis.
Ein neues Whitepaper von Zoetis zeigt, dass über 87 % der befragten Tierärzt*innen weltweit steigenden Nachfrage nach Veterinärdiensten. Aktuell fordern 35 % der deutschen Tiermedizinermediziner*innen sowie führende Vertreter*innen der Branche politische Entscheidungsträger*innen und die tierärztliche Gemeinschaft dazu auf, die notwendigen systemischen Änderungen vorzunehmen, um das dringende Problem der Mitarbeiterbindung anzugehen.
Warum das Thema dringlich ist
Die Entwicklung zeichnet sich zu einem Zeitpunkt ab, an dem die Nachfrage nach tierärztlichen Leistungen stetig wächst – bedingt durch immer mehr Haustiere, die Sicherstellung der Lebensmittelsicherheit in der Nutztierhaltung sowie das Auftreten neuer Zoonosen, die veterinärmedizinische Überwachung und Prävention erfordern.
Drei zentrale Handlungsfelder
Das Whitepaper identifiziert 3 Bereiche, in denen Veränderungen dringend notwendig sind, um die Situation der Tierärzteschaft zu verbessern:
Neugestaltung der tierärztlichen Praxis
Bessere Anpassung an Bedürfnisse der Kund*innen:
Erweiterung des beruflichen Nachwuchses
….
