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Blauzungenkrankheit, Vogelgrippe & Co.: Experte fordert besseren Schutz vor Tierseuchen

- 16.06.2025
Blauzungenkrankheit, Vogelgrippe, Afrikanische Schweinepest: Allein 2024 verursachten Tierseuchen bei Landwirten Schäden von fast 100 Millionen Euro. Auch 2025 bleibt die Lage angespannt: Je nach Region grassieren bis zu fünf Seuchen gleichzeitig. Martin Beer vom Friedrich-Loeffler-Institut fordert mehr Prävention und Aufklärung.
- Die Ausbreitung vieler Tierseuchen hängt eng mit weltweiter Mobilität und eingeschleppten Produkten zusammen.
- Tierhaltungsstrukturen und fehlende Biosicherheit erhöhen das Risiko von Seuchenausbrüchen.
- Verbraucher müssen sich nicht vor einer Ansteckung sorgen – sollten aber keine nicht-erhitzten Lebensmittel aus Nicht-EU-Staaten mitbringen.
MDR AKTUELL: Dass im Moment fünf Tierseuchen gleichzeitig auftreten – ist das für Sie ein Alarmsignal?
Professor Martin Beer: Es ist schon beunruhigend, dass wir gerade in den letzten Jahren und auch Monaten vermehrt Tierseuchen hatten, die zum Teil auch neu eingeschleppt sind. Aber es sind auch eine ganze Reihe wieder verschwunden: Wir müssen ganz klar sagen, die Maul- und Klauenseuche, sie ist vorbei. Seit April sind wir wieder völlig frei von der Maul- und Klauenseuche. Also, dieses Problem ist zum Glück gelöst worden und hat auch nur einen Betrieb betroffen. Das ist eine positive Nachricht.
Auch andere Seuchen wie die Vogelgrippe sind deutlich zurückgegangen in den letzten Monaten und wir sehen zudem, dass die Blauzungenkrankheit zwar wieder auftritt – die wird ja durch kleine Mücken-Gnitzen übertragen –, aber auch dort rechnen wir in diesem Jahr nicht unbedingt mit der gleichen Welle wie im letzten Jahr.
Das sind ja eigentlich gute Nachrichten. Aber woher kommen diese Seuchen? Mit Blick auf das vergangene Jahr: Reden wir da über hausgemachte Probleme in Deutschland oder spielt da auch die Globalisierung eine Rolle? Stichwort: weltweite Exporte von Agrarprodukten beziehungsweise Tieren – spielt das auch eine Rolle?
Das spielt auf jeden Fall eine Rolle, vor allem aber eben die Globalisierung in dem Sinne, dass jeder überall hinreist und auch Dinge mitbringen kann. Das trifft jetzt zum Beispiel bei der Maul- und Klauenseuche zu. Wir haben die ja in vielen Ländern außerhalb der EU und wenn ich dort zum Beispiel Produkte mitbringe, die nicht erhitzt wurden – das kann Frischkäse sein aus einem Land, das von der Maul- und Klauenseuche betroffen ist, – und das wird achtlos weggeworfen, dann kann das eine Ursache sein.
Das Gleiche betrifft auch die Afrikanische Schweinepest. Das ist das, was wir als Wurstbrötchen-Verbreitung bezeichnen. Wenn dort jemand aus einem der betroffenen Länder etwas wegwirft, im Wald, an einem Rastplatz, dann können Wildschweine das aufnehmen. Diese Viren sind sehr stabil und können eben auch mal in so einer Rohwurst erhalten bleiben. Deswegen finden Sie auch überall Aufrufe, so etwas nicht zu tun, nichts mitzubringen. Das sind auf jeden Fall Risiken.
Dazu kommen Einschleppungen, zum Beispiel über Insektenvektoren, die eventuell auch aus Ländern mitgebracht werden, vielleicht auch eben durch Importe von Blumen aus der ganzen Welt oder von Früchten. Das sind Möglichkeiten. Und dann haben wir noch sehr mobile Reservoire. Das trifft dann die Vogelgrippe. Zugvögel bringen diese Viren mit und können damit das Virus immer wieder neu einschleppen. Das sind Dinge, die können wir nur zum Teil beeinflussen. Deswegen kommt es auch immer wieder zu solchen Ausbrüchen… .


