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Maul- und Klauenseuche: Slowakei setzt Drohnen zur Überwachung ein

- 08.04.2025
Während Österreich bis dato seuchenfrei geblieben ist, bemüht man sich in der Slowakei und Ungarn um Schadensbegrenzung. Im Fokus dabei: Die Impfung gegen das Tiervirus
Österreich brauche "jetzt ein bisschen Glück", um zu verhindern, dass der massive Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in grenznahen Gebieten Ungarns und der Slowakei auf das Bundesgebiet übertrete, sagte der Virologe Norbert Nowotny am Freitag. Bis Montag hielt das Glück: In Österreich wurde kein Fall der höchst infektiösen Tierseuche bekannt.
Die zahlreichen Schutzmaßnahmen – Probenziehungen in gefährdeten Regionen, Importverbote für Tiere und tierische Produkte aus Nachbarländern, verstärkte Grenzkontrollen und Schließung kleiner Grenzübergänge, Einfuhrstopp für Futtermittel aus betroffenen Regionen – hätten sich bis dato bewährt, sagte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) bei Beratungen der Landesagrarkonferenz zur Seuchenlage.
Ausnahme für Ungarn beim Impfen
Wie jedoch ist die Situation in den beiden betroffenen Nachbarländern? In Ungarn gibt es derzeit vier Ausbrüche in Rinderställen mit je 1000 bis 4000 Tieren, die großteils Vertrauten des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán gehören. Neue Fälle gab es zuletzt am vergangenen Mittwoch in den Milchbetrieben in Darnózseli und Dunakiliti. Am selben Tag ordnete der oberste Landesveterinär Szabolcs Pásztor die unverzügliche Impfung aller Rinder in den beiden Betrieben an. Bis zur Keulung der Tiere solle damit deren Viruslast auf ein Minimum gesenkt werden, begründete er diesen Schritt nach Angaben des Lebensmittelsicherheitsamts Nebih.
Die Impfung soll die Verbreitung des Virus in dem betroffenen Stall vorübergehend hintanhalten, die Tiere müssen anschließend verpflichtend gekeult, ihre Kadaver entsorgt werden. Die EU-Kommission hat diese Praxis dem Vernehmen nach akzeptiert.
In der EU, wo die Maul- und Klauenseuche 1991 getilgt werden konnte, ist das Impfen von Nutztieren gegen die Seuche an sich untersagt. Stattdessen wird – "ein hartes Vorgehen, das stimmt" – der gesamte Stallbestand gekeult und das Fleisch anschließend vernichtet. "Auch geimpfte Tiere können das Virus in sich tragen und andere Tiere anstecken", erklärt der Virologe Norbert Nowotny. Zudem seien die Tiere nach einer Impfung für den Verkauf ungeeignet, da sie bei dem dann vorgeschriebenen Test ebenso wie infizierte Rinder oder auch Schweine Antikörper gegen das Virus in sich tragen würden.
Aufregung um vergrabene Kadaver
In Ungarn werden die Kadaver der getöteten Tiere vergraben. Das werde noch mehrere Tage dauern, schrieb Pásztor am Sonntagabend in einer Stellungnahme für die staatliche Nachrichtenagentur MTI. Bei der Verwesung würden Gase durch die Erdoberfläche ins Freie entweichen, erläuterte er. Die Kronen Zeitung hatte am Wochenende von "Orten des Horrors" unweit der Gemeinde Hegyeshalom berichtet. Die Kadaver seien nur notdürftig verscharrt worden. In den Orten im Umkreis wurden Befürchtungen wegen der Trinkwasserqualität laut, Behördenvertreter versuchten zu beruhigen.
Die Zeitung Blikk, ein unabhängiges ungarisches Boulevardmedium in Besitz des Ringier-Verlags, hegte zudem Zweifel an der Effizienz der polizeilich verfügten Absperrungen. Am Eingang des von der Seuche betroffenen Milchkuhbetriebs in Darnózseli sei zwar ein polizeiliches Absperrband angebracht worden, doch seien weit und breit keine Wächter und keine Polizei zu sehen, berichteten Reporter der Zeitung am Freitag.
In der Slowakei war am Freitag die sechste Rinderfarm mit einer Infektion gemeldet worden. Da die betroffenen Betriebe sich lediglich auf zwei Regionen im Westen des Landes verteilten, hoffte die Regierung, die Ausbreitung eindämmen zu können. Um den "schwarzen" Transport von Rindern zwischen zwei Farmen zu verhindern, die oft derselben Firma gehören, sollen Drohnen mit Überwachungskameras eingesetzt werden, sagte Landwirtschaftsminister Richard Takáč der Onlinezeitung Denník N. Am Montag erklärte die Regierung, an den Grenzen zu Ungarn und Österreich für einen Monat Kontrollen einzuführen.
mpfdebatte gefordert
Bereits Anfang voriger Woche hatte Andrej Gajdoš, der Chef der slowakischen Landwirtschaftskammer, im Interview für Denník N dazu aufgerufen, der Einschätzung von Fachleuten zu trauen: "In Zeiten von Eishockeyweltmeisterschaften sind wir alle Hockeytrainer, in Zeiten von Covid waren wir alle Immunologen", so seine Kritik. Manche hielten die Regel, dass alle Tiere in einem infizierten Betrieb gekeult werden müssen, für zu streng. Gajdoš aber verweist darauf, dass auch andere Länder in ähnlichen Situationen ähnliche Maßnahmen ergriffen hätten… .


