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One Health erklärt: Warum Nutztierärzte für unsere Gesundheit unverzichtbar sind – ein Interview
Wie sicher sind unsere Lebensmittel wirklich – und welche Rolle spielen Tierärzte dabei?

- 27.07.2026
Viele Menschen sehen im Alltag nur das Produkt im Supermarkt. Doch dahinter steckt ein komplexes System aus Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und Verantwortung. Nutztierärzte sind dabei ein entscheidendes Bindeglied zwischen Stall und Verbraucher.
In diesem Interview spricht PD Dr. Andreas Palzer vom WFG über die gesellschaftliche Bedeutung der Nutztiermedizin, die drastische Reduktion von Antibiotika, das One-Health-Konzept und die Herausforderungen einer modernen Landwirtschaft.
In den letzten 10 Jahren wurde der Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung um 70% reduziert – eine riesige Leistung! Wie ist das gelungen, und was bedeutet das konkret für uns Verbraucher?
Das ist tatsächlich ein gemeinsamer Erfolg von Tierärzten, Landwirten und auch der Politik, der weltweit Beachtung findet. Gelungen ist das nicht durch ein einzelnes Instrument, sondern durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen, die ineinandergreifen. Wir haben in den letzten Jahrzehnten systematisch in die Prävention investiert: bessere Impfkonzepte, modernere Stallhaltungssysteme mit besserem Klima und besserer Hygiene, konsequente Biosicherheit, kontinuierliche Bestandsbetreuung durch den Tierarzt und ein Umdenken auf den Höfen. Wenn Tiere gar nicht erst krank werden, brauchen sie auch keine Antibiotika.
Hinzu kommt ein engmaschiges Monitoringsystem: Wir erfassen den Antibiotikaeinsatz inzwischen sehr genau, vergleichen Betriebe untereinander, identifizieren Auffälligkeiten und arbeiten dann gezielt mit den Betrieben, die noch Verbesserungspotenzial haben. Es gilt der Grundsatz: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Für Verbraucher bedeutet das ganz konkret: weniger Antibiotika in der Tierhaltung heißt geringeres Risiko für die Selektion auf antibiotikaresistente Keime, und das wiederum schützt am Ende auch die Wirksamkeit von Antibiotika in der Humanmedizin. Genau das ist der One-Health-Gedanke in der Praxis: Was wir im Stall tun, hat direkte Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen.
Man hört oft vom One-Health-Konzept: Tier, Mensch, Umwelt. Wo sind Sie als Nutztierarzt das Bindeglied – und warum ist das für uns alle relevant?
One Health ist für uns Nutztierärzte nicht nur ein abstraktes Konzept, sondern unser tägliches Arbeitsfeld. Wir stehen im wahrsten Sinne des Wortes an der Schnittstelle: zwischen Tier, Mensch und Umwelt. Konkret heißt das: Wir überwachen die Gesundheit von Tierbeständen, die später als Lebensmittel auf den Tellern der Menschen landen. Wir achten darauf, dass keine Zoonoseerreger, also Krankheitserreger, die vom Tier auf den Menschen überspringen können, in die Lebensmittelkette gelangen. Wir setzen Medikamente, insbesondere Antibiotika, verantwortungsvoll ein, weil wir wissen, dass Resistenzen, die im Stall entstehen, am Ende auch beim Menschen ankommen können. Und wir beraten Betriebe so, dass ihre Produktion ökonomisch und ökologisch tragfähig ist, Stichwort effiziente Ressourcennutzung, weniger Tierverluste, weniger Emissionen… .


