In der Schweiz hat ein Ausbruch der Enzootischen Pneumonie (EP) erhebliche Folgen für die Schweinehaltung. In einem großen, kantonsübergreifenden Schweinering sind 60 Zucht- und Mastbetriebe von behördlichen Maßnahmen betroffen. Rund 10.500 Schweine mussten nach Angaben vom 6. Oktober 2026 bereits geschlachtet oder getötet werden. Die Schweizer Veterinärbehörden versuchen, durch Bestandsräumungen, Tierverkehrsbeschränkungen und umfassende Biosicherheitsmaßnahmen eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Der Fall verdeutlicht, welche Konsequenzen die Verschleppung eines respiratorischen Erregers innerhalb eng vernetzter Produktionssysteme haben kann.

Schweiz: Enzootische Pneumonie zwingt zur Räumung zahlreicher Schweinebestände – rund 10.500 Tiere betroffen

Ausbruch in einem kantonsübergreifenden Schweinering zeigt die Risiken arbeitsteiliger Schweineproduktion und die Bedeutung konsequenter Biosicherheit

„Die Enzootische Pneumonie kann sich durch Tierkontakte und Tiertransporte über mehrere Schweinebestände verbreiten. Ein Ausbruch in der Schweiz führt derzeit zu umfangreichen behördlichen Bekämpfungsmaßnahmen.“

Foto: EG Hellwig / AVA

Ausbruch am 9. September festgestellt

Am 9. September 2026 wurde bei Schweinen eines großen, über mehrere Kantone verteilten Schweinerings die Enzootische Pneumonie festgestellt. Bei Untersuchungen klinisch auffälliger Tiere wurde der bakterielle Erreger Mycoplasma hyopneumoniae nachgewiesen.

Nach den vorliegenden Meldungen sind 20 Zuchtbetriebe in sechs Kantonen sowie 40 Mastbetriebe in bis zu 14 Kantonen in die Bekämpfungsmaßnahmen einbezogen.

Die zuständigen Veterinärbehörden ordneten für die betroffenen Zuchtbetriebe eine vollständige Räumung an, um bestehende Infektionsketten zu unterbrechen. Für die Mastbetriebe gelten Tierverkehrsbeschränkungen und individuell festgelegte weitere Maßnahmen.

Besonders schwere Folgen in Luzern und Bern

Der Kanton Luzern ist besonders stark betroffen. Dort wurden nach Behördenangaben zehn Zuchtbetriebe und ein Mastbetrieb geräumt. Insgesamt mussten rund 5.200 Schweine geschlachtet oder getötet werden. Zusätzlich wurde die Räumung eines weiteren Mastbetriebs mit etwa 700 Tieren angeordnet, nachdem dort eine EP-Infektion nachgewiesen worden war.

Auch im Kanton Bern waren umfangreiche Maßnahmen erforderlich. In drei Zuchtbetrieben wurden unter anderem hochträchtige Sauen eingeschläfert, weitere Sauen und Ferkel geschlachtet sowie zahlreiche Ferkel getötet.

Für die betroffenen Tierhalter bedeuten diese Maßnahmen erhebliche wirtschaftliche Verluste und weitreichende Eingriffe in die betrieblichen Produktionsabläufe.

Warum wird in der Schweiz so konsequent vorgegangen?

Die Schweiz hat die Enzootische Pneumonie durch ein umfangreiches nationales Sanierungsprogramm zwischen 1996 und 2004 weitgehend zurückgedrängt.

Um diesen Gesundheitsstatus zu erhalten, wird EP dort als staatlich zu bekämpfende Tierseuche behandelt. Die Impfung gegen EP ist in der Schweiz verboten.

Die angeordneten Räumungen sind deshalb vor dem Hintergrund der besonderen Schweizer Tierseuchenstrategie zu verstehen. Sie entsprechen nicht der üblichen Vorgehensweise bei EP in deutschen Schweinebeständen.

Die Sperren können nach den Schweizer Vorgaben erst aufgehoben werden, wenn die erforderlichen Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen abgeschlossen und behördlich überprüft worden sind und die Ställe mindestens zehn Tage leer standen.

Enzootische Pneumonie: Eine bedeutende Atemwegserkrankung des Schweins

Die Enzootische Pneumonie wird durch Mycoplasma hyopneumoniae verursacht. Der Erreger schädigt die mukoziliäre Clearance des Respirationstrakts und begünstigt damit weitere Atemwegsinfektionen.

Typische klinische Erscheinungen sind insbesondere:

trockener, häufig chronischer Husten,

verzögerte Gewichtsentwicklung,

verminderte Tageszunahmen,

erhöhte Anfälligkeit für bakterielle Sekundärinfektionen,

wirtschaftliche Verluste durch beeinträchtigte Mastleistungen.

Die Erkrankung ist ein wichtiger Bestandteil des Porcine Respiratory Disease Complex (PRDC).

Die Mortalität einer unkomplizierten EP ist häufig gering. Dennoch kann die Infektion aufgrund ihrer hohen Übertragbarkeit und ihrer Auswirkungen auf Tiergesundheit und Leistung erhebliche wirtschaftliche Bedeutung erlangen.

Für Menschen ist die Enzootische Pneumonie ungefährlich.

Schweineringe: Effiziente Produktion, aber auch epidemiologische Risiken

Der aktuelle Schweizer Ausbruch macht deutlich, welche epidemiologischen Herausforderungen arbeitsteilige Produktionssysteme mit sich bringen.

Wenn Zucht-, Ferkelaufzucht- und Mastbetriebe über regelmäßige Tiertransporte miteinander verbunden sind, können Krankheitserreger über betriebliche und regionale Grenzen hinweg verschleppt werden.

Besonders problematisch ist dabei, dass infizierte Tiere nicht immer unmittelbar auffällige klinische Symptome zeigen müssen.

Eine erfolgreiche Bekämpfung setzt deshalb voraus, dass Tierbewegungen nachvollziehbar dokumentiert, Infektionsketten schnell erkannt und Kontakte zwischen Betrieben epidemiologisch bewertet werden.

Nach Angaben des Schweizer BLV gibt es bislang keine Hinweise auf eine Ausbreitung außerhalb des betroffenen Schweinerings.

AVA-Einordnung: Biosicherheit beginnt vor dem Ausbruch

Aus Sicht der Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) ist der Schweizer Fall ein eindringliches Beispiel dafür, dass Biosicherheit nicht erst dann zum Thema werden darf, wenn eine Infektion bereits nachgewiesen wurde.

Gerade in arbeitsteiligen Schweineproduktionssystemen gehören die Überwachung des Gesundheitsstatus, eine strukturierte Tierverkehrsplanung, konsequente Hygienemaßnahmen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Tierhaltern und bestandsbetreuenden Tierärzten zu den zentralen Voraussetzungen einer erfolgreichen Gesundheitsvorsorge.

Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass Impfprogramme, diagnostische Strategien und betriebliche Sanierungskonzepte an die jeweilige epidemiologische und rechtliche Situation angepasst werden müssen.

Der Schweizer Ausbruch zeigt: Je enger Produktionsbetriebe miteinander vernetzt sind, desto wichtiger wird eine gemeinsame, verbindliche und überprüfbare Biosicherheitsstrategie.

Die AVA wird die weitere Entwicklung beobachten.

Quellen

Schweizer Bauer, 6. Oktober 2026: „Schweizweit 10'500 Schweine getötet“
https://www.schweizerbauer.ch/artikel/tiere/schweine/schweizweit-10500-schweine-getoetet

Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), 6. Oktober 2026: „Enzootische Pneumonie: Stand der Bekämpfungsmassnahmen“
https://www.blv.admin.ch/de/ausbruch-der-enzootischen-pneumonie-bei-schweinen

BLV: „Enzootische Pneumonie der Schweine (EP)“
https://www.blv.admin.ch/de/enzootische-pneumonie-der-schweine-ep

Veterinärdienst Kanton Luzern: „Ausbruch der Enzootischen Pneumonie bei Schweinen – Abklärungen in mehreren Kantonen“
https://veterinaerdienst.lu.ch/Aktuelles/Ausbruch_EP

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