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«Wenn das Geschlecht miteinbezogen wird, ist die Forschung besser»
Das biologische Geschlecht soll auch in der präklinischen Forschung beachtet werden: Dafür will die Neuroendokrinologin Ivana Jaric mit einem europäischen Netzwerk sorgen.

- 15.10.2025
Ivana Jaric, was genau ist die Initiative «Geschlecht als biologische Variable» – und warum ist sie wichtig?
Ivana Jaric: Das biologische Geschlecht kann einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie der Körper funktioniert, wie Krankheiten entstehen und wie Behandlungen wirken. In der Vergangenheit wurden jedoch in vielen Studien, insbesondere in der biomedizinischen Forschung, nur männliche Tiere untersucht oder die Daten nicht nach Geschlecht analysiert. Deswegen wurden viele potenziell wichtige Unterschiede zwischen Männern und Frauen übersehen. Vor etwa zehn Jahren haben die US-amerikanischen National Institutes of Health die Initiative (SABV) ins Leben gerufen, um Forschende zu ermuntern, das biologische Geschlecht als wichtige Variable in ihren Studien zu berücksichtigen.
Wurde das Geschlecht auch bei der In-vitro-Forschung, zum Beispiel bei Zellkulturen oder Organoiden, zu wenig beachtet?
Jaric: Ja. Das Geschlecht der in Zellkulturexperimenten verwendeten Zellen wurde traditionell ignoriert, obwohl es Hinweise darauf gibt, dass es wichtige zelluläre Verhaltensweisen beeinflussen kann. So gaben beispielsweise nur 25 Prozent der Studien, die in führenden kardiovaskulären Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, das Geschlecht der Zellen an – und die meisten davon verwendeten männliche Zellen.
Sex oder Gender?
Beeinflusst SABV die wissenschaftliche Genauigkeit und Reproduzierbarkeit?
Jaric: Nehmen wir an, Sie entwickeln ein neues Antidepressivum und testen es nur an männlichen Tieren. In vorklinischen Tests mag es vielversprechend aussehen, aber dann in Studien am Menschen versagen – wo Frauen oft überrepräsentiert sind, weil sie häufiger an Depressionen leiden. Das geht darauf zurück, dass das biologische Geschlecht die Struktur und Funktion des Gehirns, die Aufnahme von Medikamenten, den Stoffwechsel und die richtige Dosierung beeinflusst….. .



