Wissenschaftsbericht: Antibiotika-Verbrauchsmengen und Therapiehäufigkeit 2024 Entwicklung in Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten (vom 28.08.2025)

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Zusammenfassende Bewertung

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet die Antibiotika-Verbrauchsmengen bei Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten sowie die Therapiehäufigkeiten in bestimmten Nutzungsarten wie zugekauften Kälbern, Milchkühen, Mastferkeln und -schweinen, Masthühnern, Lege- und Junghennen sowie Mastputen.

Die rechtliche Grundlage stellt das Tierarzneimittelgesetz (TAMG) dar. Das Gesetz regelt, dass der Einsatz von Antibiotika auf Betrieben, die Rinder, Schweine, Hühner oder Puten halten, dokumentiert und den zuständigen Landesbehörden mitgeteilt werden muss.

 

Dem BfR werden diese Daten in pseudonymisierter Form übermittelt. Bis zum Jahr 2022 galt die Mitteilungspflicht über den Einsatz von Antibiotika im Rahmen des Antibiotika-Minimierungskonzeptes lediglich für den Masttierbereich. Mit der Änderung des TAMG, die am 1. Januar 2023 in Kraft trat, kam es zu umfangreichen Änderungen des Erfassungssystems für antibiotische Anwendungen (TAMGÄndG, 2022).

 

Diese umfassten den Zuschnitt von Nutzungsarten, die Schaffung einer neuen Kategorie der Antibiotika-Beobachtung neben der Weiterführung der Antibiotika-Minimierung, den Übergang der Mitteilungsverpflichtung über Antibiotikaanwendungen von den Tierhaltenden auf die behandelnden Tierärztinnen und Tierärzten sowie die Einführung eines Gewichtungsfaktors für antibiotische Wirkstoffe der AMEG-Kategorie B, die von besonderer Bedeutung für die Humanmedizin sind.

Im vorliegenden Bericht gemäß § 57 Absatz 4 TAMG wurden die von der TierarzneimittelDatenbank der Bundesländer an das BfR übermittelte Daten aus den zwei Halbjahren des Jahres 2024, d. h. aus dem 1. Halbjahr 2024 (01.01.2024 - 30.06.2024) und dem 2. Halbjahr 2024 (01.07.2024 - 31.12.2024) ausgewertet. Für alle Nutzungsarten wurde der AntibiotikaEinsatz sowie prozentuale Änderungen von 2023 auf 2024 bestimmt.

 

Für Ferkel, Mastschweine, Masthühner und Mastputen, deren Zuschnitt durch das TAMGÄndG (2022) größtenteils unverändert geblieben ist, wurden die Ergebnisse zudem mit Daten seit Beginn dieser Erhebung in Bezug gesetzt. Wegen der Umstellung des Systems gilt jedoch für die im vor liegenden Bericht dargestellten Zahlen nach wie vor, dass sie insbesondere, aber nicht nur, bei den neuen Nutzungsarten noch mit Unsicherheit behaftet sind. Dies gilt auch für Vergleiche zwischen den Jahren.

 

Verbrauchsmengen

Insgesamt wurden in Deutschland im Jahr 2024 bei den erfassten Tierarten knapp 507 t antimikrobieller Wirkstoffe verbraucht. Dies entspricht gut 96 % der im Tierarzneimittel-Abgabemengen-Register (TAR) erfassten Abgabemengen aus dem Jahr 2023.

 

Dies ist insofern schlüssig, als im vorliegenden Bericht nur die Verbrauchsmengen der vier für die Lebensmittelproduktion bedeutendsten Tierarten Rind, Schwein, Huhn und Pute erfasst werden. Gleichzeitig deutet es darauf hin, dass ein großer Anteil der Abgabemengen im vorliegenden Bericht erfasst wird. Bei der Analyse der Daten zeigte sich erneut, dass eine Plausibilitätsprüfung der gemeldeten Daten notwendig ist, um grob fehlerhafte Meldungen zu identifizieren und von der Auswertung auszuschließen (vgl. Appendix). Für eine fachlich valide Prüfung ist die Erfassung von Daten, die eine Einordnung der gemeldeten Mengen ermöglichen (Anzahl der behandelten Tiere, Anzahl der Behandlungstage), unabdingbar.

Die 507 t erfasster antimikrobieller Wirkstoffe stellen eine Zunahme um 6 % gegenüber dem Vorjahr dar. Dabei entfielen 461 t oder etwa 91 % auf Tiere, die in die Antibiotika-Minimierung einbezogen sind und 45 t (9 %) auf solche in der Antibiotika-Beobachtung.

Dies bedeutet für die in der Antibiotika-Minimierung erfassten Verbrauchsmengen eine Zunahme um 10 %, für die Verbrauchsmengen in der Antibiotika-Beobachtung dagegen einen Rückgang um 24 %.

 

Diese Entwicklungen lassen sich zum Teil darauf zurückführen, dass in den neu geschaffenen Nutzungsarten insgesamt mehr Betriebe als noch im Vorjahr erfasst wurden, Betriebe in vielen Nutzungsarten von der Antibiotika-Beobachtung in die Antibiotika-Minimierung umkategorisiert wurden und in den alten Nutzungsarten der Antibiotika-Einsatz in der Antibiotika-Minimierung trotz sinkender Betriebszahlen angestiegen ist.

 

Grundsätzlich gilt, dass es während des noch immer stattfindenden Anlaufens des Erfassungssystems schwierig ist, die Effekte steigender Betriebszahlen, der Umkategorisierung zwischen Antibiotika-Beobachtung und Antibiotika-Minimierung, den damit einhergehenden Verschiebungen bei der Betriebsgrößenzusammensetzung und der tatsächlichen Änderung des Antibiotika-Einsatzes auf Betriebsebene auseinanderzuhalten.

 

Die Gesamtverbrauchsmengen konnten vor allem sechs Wirkstoffklassen zugeordnet werden (vgl. Tabelle 2-1): Den größten Anteil hatten – wie in den vergangenen Jahren – Penicilline (218 t), was einer Zunahme um 2 % entspricht, gefolgt von Tetrazyklinen (101 t; +10 %), Makroliden (51 t; +9 %), Sulfonamiden (41 t; +17 %), Polypeptidantibiotika (30 t; keine Änderung zum Vorjahr) sowie Aminoglykosiden (31 t; +8 %).

 

Es gab keine Wirkstoffklasse, in der ein Rückgang der absoluten Verbrauchsmengen verzeichnet wurde. Der Anteil der zur AMEG-Kategorie B gehörenden Polypeptidantibiotika an der Gesamtmenge ist von 6,3 % auf 5,9 % zurückgegangen. Es bedarf jedoch weiterer Anstrengungen, diesen Anteil weiter zu reduzieren. Wie in den vergangenen Jahren entfiel der größte Anteil der Verbrauchsmengen (vgl. Abbildung 2-1) auf die Mastschweine, in denen 112,2 t eingesetzt wurden, ein Anstieg um 9 % im Vergleich zum Vorjahr.

Dahinter folgten Ferkel (78,5 t; +15 %) und Mastputen (73,7 t; +9 %), zugegangene Kälber (53,6 t; +26 %) und Masthühner (50,8 t; +1 %) sowie Zuchtschweine (41,4 t; +10 %) und Milchkühe (36,5 t; +4 %).

 

Die zugegangenen Kälber sind damit die erste der neuen Nutzungsarten in der Antibiotika-Minimierung, die eine der alten Nutzungsarten bei den Verbrauchsmengen überholen. Insgesamt bestätigt sich, dass die Erfassung dieser Nutzungsarten sinnvoll war und ist. Saugferkel sowie Jung- und Legehenne wiesen Verbrauchsmengen unter 10 t auf.

 

Die Anteile der verschiedenen Wirkstoffklassen an den Verbrauchsmengen unterschieden sich zwischen den Nutzungsarten. Dies wird im Hauptteil des Berichtes näher beschrieben.

 

Therapiehäufigkeiten

Daten zu Therapiehäufigkeiten liegen nur für die Nutzungsarten vor, die im Antibiotika-Minimierungskonzept berücksichtigt werden.

Für die Nutzungsarten unter Beobachtung liegen die zur Berechnung von Therapiehäufigkeiten erforderlichen Daten zu den Tierbeständen nicht vor. Bei der Bewertung der Therapiehäufigkeiten ist zu bedenken, dass seit 2023 die Therapietage für Wirkstoffe der AMEG-Kategorie B mit dem Faktor drei gewichtet werden.

Quantile der neu gewichteten betrieblichen Therapiehäufigkeiten sind in Tabelle 2-2 enthalten.

 

Demnach wurde 2024 der höchste Median dieser Therapiehäufigkeiten – wie in den vergangenen Jahren – in der Nutzungsart der Masthühner mit 24 Tagen im ersten und 22,1 Tagen im zweiten Halbjahr verzeichnet, insgesamt ein leichter Anstieg im Vergleich zu den zwei Halbjahren 2023.

Die nächsthöheren Werte wurden für Mastputen (17 bzw. 18,4 Tage) und Saugferkel (14,2 bzw. 13 Tage) bestimmt. Für Mastputen bedeutete dies einen klaren Anstieg, für Saugferkel einen leichten Rückgang.

 

Alle anderen erfassten Nutzungsarten wiesen einen Median der betrieblichen Therapiehäufigkeiten von unter drei Tagen auf, bei Jungund Legehennen lag der Median wie im Vorjahr bei null. Sowohl bei Ferkeln als auch Mastschweinen war ein deutlicher Anstieg des Medians der betrieblichen Therapiehäufigkeiten zu verzeichnen. Beim Vergleich der ebenfalls mit der neuen Gewichtung von Wirkstoffen der AMEG-Kategorie B berechneten populationsweiten Therapiehäufigkeit für das gesamte Jahr (vgl. Abbildung 2-2) lagen trotz eines Rückganges um 4 % weiterhin die Saugferkel mit 65,7 Tagen pro Jahr an der Spitze. Dahinter folgten erneut Mastputen (61 Tage; +7 %), Masthühner (51,6 Tage; +4 %), Ferkel (35,2 Tage; +18 %) und zugegangene Kälber (20,6 Tage; +16 %). Saugferkel, die vor 2023 noch nicht vom Antibiotika-Minimierungskonzept erfasst wurden, spielen zwar bei den Verbrauchsmengen nur eine nachrangige Rolle.

 

Die nach wie vor sehr hohe populationsweite Therapiehäufigkeit zeigt aber, dass es sinnvoll und notwendig war, diese Nutzungsart in das Minimierungskonzept einzubeziehen. Bei Zuchtschweinen, Mastschweinen, Milchkühen, Jung- sowie Legehennen wurden populationsweite Therapiehäufigkeiten von unter 10 Tagen ermittelt. Eine Zunahme der populationsweiten Therapiehäufigkeit wurde bei Mastschweinen (+12 %) und Junghennen (+6 %) verzeichnet, ein Rückgang dagegen bei Zuchtschweinen (-4 %), Milchkühen (-9 %) und Legehennen (-14 %).

 

Durch die Gewichtung von Wirkstoffen der AMEG-Kategorie B sind die Therapiehäufigkeiten nicht unmittelbar mit den Werten vor 2023 vergleichbar. Die zeitliche Entwicklung der betrieblichen Therapiehäufigkeiten für die Nutzungsarten, die schon seit 2014 erfasst werden, ist auf Basis des früher gültigen Berechnungsmodus in Abbildung 3-5 für (Mast-)Ferkel, in Abbildung 3-7 für Mastschweine, in Abbildung 3-9 für Masthühner und in Abbildung 3-13 für Mastputen dargestellt. Bei Mastschweinen, Masthühnern und insbesondere Ferkeln und Mastputen setzte sich der ansteigende Trend, der bereits im Jahr 2023 beobachtet wurde, fort.

 

Besonders für die Therapiehäufigkeiten gilt, dass es während des noch immer stattfindenden Anlaufens des Erfassungssystems schwierig ist, in den neuen Nutzungsarten die Effekte steigender Betriebszahlen, der Umkategorisierung zwischen Antibiotika-Beobachtung und Antibiotika-Minimierung, den damit einhergehenden Verschiebungen bei der Betriebsgrößenzusammensetzung und der tatsächlichen Änderung des Antibiotika-Einsatzes auf Betriebsebene auseinanderzuhalten.

 

Auch in den alten Nutzungsarten (Ferkel, Mastschweine, Masthühner und Mastputen) müssen die Therapiehäufigkeiten aufgrund der Umstellung des Erfassungssystems als mit höherer Unsicherheit behaftet gelten. Jedoch sind hier die Betriebszahlen rückläufig, und auch Umkategorisierungen finden seltener statt, so dass die Zahlen in allen vier Nutzungsarten auf eine tatsächliche Erhöhung der Therapiehäufigkeiten auf Betriebs- und Populationsebene hindeuten.

 

Entwicklung der Antibiotika-Resistenz

Aufgrund der Untersuchung der Proben von Tierpopulationen im zweijährigen Wechsel liegen für das Jahr 2024 nur zu Masthühnern und Mastputen bei der Schlachtung neue Daten vor.

 

E. coli von Masthähnchen wiesen zwischen 2014 und 2024 einen signifikanten Rückgang der Resistenzraten gegenüber Chloramphenicol, Tigecyclin und gegenüber Colistin auf. Allerdings wiesen sie auch einen signifikanten Anstieg der Resistenzraten gegen Sulfamethoxazol auf. Kurzfristig zeigte sich ein signifikanter Anstieg der Resistenz der Isolate von Masthähnchen gegen Ampicillin und Trimethoprim, sowie ein signifikanter Rückgang der Resistenz gegenüber Nalidixinsäure zwischen 2022 und 2024.

 

E. coli von Mastputen bei der Schlachtung wiesen zwischen 2014 und 2024 signifikant sinkende Resistenzraten gegenüber Tetrazyklin, Sulfamethoxazol, Trimethoprim, Gentamicin, Azithromycin, Nalidixinsäure, Ceftazidim, Tigecyclin und Colistin auf. Auch der Anteil der multiresistenten Isolate ging zurück. Kurzfristig, also zwischen 2022 und 2024 sanken die Resistenzraten der Isolate von Mastputen gegenüber Gentamicin, Colistin und Nalidixinsäure signifikant. Gegenüber Cefotaxim und Ceftazidim wurde 2024 erstmals bei Isolaten von Mastputen keine Resistenz mehr beobachtet. Ein signifikanter Anstieg der Resistenzraten wurde bei E. coli von der Mastpute gegenüber keinem Antibiotikum beobachtet.

 

Gesamtbewertung

Insgesamt zeigen die vorliegenden Daten, dass in einigen Bereichen positive Entwicklungen auch bei den Resistenzraten zu verzeichnen sind, dass der Einsatz von Antibiotika aber nach wie vor in Teilen der Masttierpopulationen sehr hoch ist. Die nach wie vor breite Streuung der betrieblichen Therapiehäufigkeiten weist auf weiteres Verbesserungspotential hin. Die Datenerhebung zu den neu erfassten Nutzungsarten wies für 2024 eine weitere Steigerung der erfassten Betriebszahlen auf. Zudem wurden viele Betriebe von der Antibiotika-Beobachtung in die Antibiotika-Minimierung umkategorisiert.

Dies deutet auf eine sich weiter verbessernde Erfassung hin.

Die Ergebnisse der Prüfung der Daten bestätigt erneut, dass eine Plausibilisierung der Daten für eine valide Bewertung unabdingbar ist. Hierfür müssen den zuständigen Behörden unbedingt ausreichend detaillierte Daten zur Verfügung stehen, ohne die eine solche Plausibilisierung nicht realisierbar ist…. .

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