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NEWS
von der AVA und aus der Branche
Mastitiden: Den Ursachen „DRUMHERUM“ auf der Spur. Eine Einladung für Tierärztinnen und Tierärzte
Was Tierärztinnen und Tierärzte über konventionelles und automatisches Melken unbedingt wissen sollten – Der Tierarzt vom Krisenmanager zum Gestalter

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Wir würden uns freuen, Sie persönlich begrüßen zu dürfen!
ASP im Sauerland in NRW: Virologische Erkenntnisse und aktuelle Maßnahmen
In NRW wurde kürzlich von mehreren Fällen der Afrikanischen Schweinepest berichtet. Dabei ergaben die genetischen Untersuchungen, dass die gefundenen Viren nicht mit den bisher in Deutschland aufgetretenen Varianten übereinstimmen, sondern jenen aus italienischen Proben ähneln. Ein Überblick zu aktuellen Funden, Maßnahmen und virologischen Erkenntnissen.
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich weiter in Nordrhein-Westfalen aus. In der Region um den Kreis Olpe wurden inzwischen insgesamt acht tote Tiere entdeckt. Laut vorläufiger Einschätzung gehören die Tiere zur gleichen Rotte. Die Proben wurden vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Westfalen untersucht; die abschließende Bestätigung durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) steht jedoch noch aus.
Trotz der neuen Funde sehen die Behörden derzeit keinen Bedarf, die seit dem 16. Juni 2025 geltenden Schutzmaßnahmen in den betroffenen Kreisen (Olpe, Hochsauerlandkreis und Siegen-Wittgenstein) auszuweiten, da die Tiere innerhalb der bereits ausgewiesenen infizierten Zone entdeckt wurden.
Virologische Besonderheit: Neue Virusvariante identifiziert
Das FLI konnte erstmals das vollständige Genom des Virus aus dem nordrhein-westfälischen Ausbruch sequenzieren. Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Abweichung zu den bisher bekannten deutschen ASP-Stämmen – sowohl aus Westdeutschland (Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg) als auch aus den östlichen Bundesländern (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen).
Der internationale Abgleich mit veröffentlichten Sequenzdaten ergab eine auffällige Übereinstimmung mit ASP-Viren aus der italienischen Region Kalabrien. Diese Variante weist charakteristische genetische Veränderungen auf, die sich nun auch im nordrhein-westfälischen Virusnachweis finden.
Konsequenzen für Praxis und Tierschutz
In der infizierten Zone gilt weiterhin:
- Verlassen ausgewiesener Wege ist verboten.
- Hunde dürfen nicht frei laufen.
- Der Schweinetransport ist nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt.
- Es gilt Jagdruhe; Ernte- und Forsttätigkeiten sind eingeschränkt.
Totfunde von Wildschweinen sind dem zuständigen Kreisveterinäramt zu melden, das die Bergung übernimmt. Eigenmächtiges Handeln – etwa das Bergen oder Erlegen von Schwarzwild – ist streng untersagt.
Die Behörden betonen, dass jede Beunruhigung der Wildschweinpopulation die Ausbreitung der ASP fördern kann. Aktuelle Informationen und interaktive Karten zur infizierten Zone sind über die Allgemeinverfügungen der betroffenen Kreise zugänglich.
Weitere Informationen: FLI und Landesregierung NRW
Pflanzliche Milchalternativen für eine bessere Gesundheit?
Highlights der Untersuchung:
1.Das Reformulierungspotenzial von 66 Milchalternativen wurde anhand realistischer Grenzwerte bewertet.
2.Die meisten Produkte wiesen ein schlechtes Nährwertprofil auf (Nutri-Score von D).
3.Je höher die Anzahl der Zutaten, desto mehr Zusatzstoffe wurden verwendet.
4.Eine Reduzierung der Anzahl verarbeiteter und Gesamtzutaten kann Rayners Punktzahl verbessern.
5.Das ungenutzte Potenzial zur Neuformulierung gesünderer pflanzlicher Milchalternativen ist groß.
Abstrakt: Pflanzliche Milchalternativen erfüllen nicht immer die Nährwertstandards, und die berichteten Reformulierungsbemühungen sind schwach. Daher besteht Bedarf an Erkenntnissen über das Potenzial zur Verbesserung der Gesundheit dieser Produkte. Das erste Ziel dieser Studie war die Analyse der Nährwert- und Zusammensetzungsqualität dieser Produkte. Wir führten eine Online-Marktinventur von 66 pflanzlichen Milchalternativen durch, berechneten deren Nutri-Scores auf Basis des aktualisierten Rayner-Scores und analysierten deren Zusatzstoffe (Anzahl und Art) sowie den Anteil verarbeiteter/unverarbeiteter pflanzlicher Quellen. Unser zweites Ziel war die Identifizierung der Faktoren, die die Nährwert- und Zusammensetzungsqualität der Produkte beeinflussen. Dazu untersuchten wir die Zusammenhänge zwischen Nährwert, Zusammensetzung und Preis der Produkte. Das dritte Ziel war die Untersuchung des Potenzials einer Reformulierung zur Verbesserung der Gesundheit der Produkte. Wir berücksichtigten realistische Grenzwerte für Nährwert und Zusammensetzung. Wir stellten fest, dass fast die Hälfte der 66 analysierten Produkte eine schlechte Nährwertqualität aufwies (Nutri-Score D) und ein bis drei Zusatzstoffe enthielt. Als Lösungsansätze haben wir Ansätze identifiziert, mit denen der Rayner-Score (−12 Punkte), der Gesamtzuckergehalt (−8 g/100 ml), der Kaloriengehalt (−36 kcal/100 ml), der Anteil verarbeiteter Pflanzenstoffe (−17 %) und die Anzahl der Zusatzstoffe (−3) dieser Produkte reduziert werden können.
(„…Der Nutri-Score für Kuhmilch, sowohl Vollmilch als auch fettarme Varianten, wurde überarbeitet und ist mittlerweile strenger. Vollmilch erhält in der Regel ein C, während fettarme Milch ein B bekommt. Diese Einstufung ist auf die neue Berechnungsgrundlage zurückzuführen, bei der Milchprodukte als Getränke betrachtet werden. Hierbei fallen negativ bewertete Bestandteile wie gesättigte Fettsäuren stärker ins Gewicht…). (agrarheute.de)
Dr. Siegfried Moder als FVE-Präsident wiedergewählt
bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder wurde bei der Frühjahrstagung des Europäischen Tierärzteverbandes in Leuven (Belgien) für weitere zwei Jahre zum Präsidenten der Federation of Veterinarians of Europe (FVE) gewählt.
Auch sein Vizepräsidenten-Team wurde im Amt bestätigt: Mette Uldahl (1. Vizepräsidentin, Dänemark), Piotr Kwieciński (Schatzmeister, Polen) Jane Clark (Vereinigtes Königreich) sowie Massenzio Fornasier (Italien und European Veterinarians in Education, Research and Industry, EVERI).
Moders dringendstes Anliegen bleibt die Bekämpfung des Tierärztemangels, insbesondere durch den Abbau unnötiger Bürokratie sowie die Förderung und Beteiligung des beruflichen Nachwuchses.
Weitere Schwerpunkte sind die Verbesserung der Praxistauglichkeit tierarzneimittelrechtlicher Regelungen und die europaweit einheitliche Verankerung tierärztlicher Tiergesundheitsbesuche.
Alles Themen, die sowohl auf europäischer wie auf deutscher Ebene relevant sind.
„Ich freue mich sehr, dass mir die 41 FVE -Mitgliedsorganisationen einstimmig das Vertrauen geschenkt haben und ich weiterhin meinen Beitrag leisten kann, um die Rahmenbedingungen für unseren tollen Tierarztberuf zu verbessern. Mir liegen Tiergesundheit und Tierschutz sehr am Herzen. Mit einer starken Tierärzteschaft ist das am besten zu erreichen.“, sagte Moder nach seiner Wahl.
Dr. Moder war vor zwei Jahren erstmalig zum FVE-Präsidenten gewählt worden. In der 50-jährigen FVE-Geschichte ist er erst der dritte Deutsche in diesem Amt. Die FVE ist die Dachorganisation der europäischen Tierärzteschaft und vertritt alle Berufszweige der tierärztlichen Tätigkeit.
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Die Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) gratuliert unserem Kollegen Dr. Moder zur Wiederwahl. Er wird, wie gewohnt, die Rahmenbedingungen der europ. Tierärzteschaft für Tiergesundheit und Tierschutz mit großem Einsatz weiterführen.
Viel Erfolg, lieber Kollege Moder, für Deine weitere Arbeit!
Schweine sind aufmerksamer, wenn sie von Menschen angesprochen werden
Eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien untersuchte, welchen Effekt menschliche Hinweise auf die Aufmerksamkeit und das Verhalten von Hausschweinen (Sus scrofa domesticus) in einer Testanordnung haben. Ebenso wie beispielsweise Hunde reagieren sie auf zielgerichtete Ansprache mit erhöhter Aufmerksamkeit, ihre Leistung verbessert sich dadurch jedoch nicht.
Menschen vermitteln ihre Absichten zu kommunizieren häufig direkt, etwa indem sie den Angesprochenen beim Namen rufen oder Blickkontakt herstellen. Diese Form der Kommunikation wird auch bei Tieren eingesetzt, wenn Menschen mit ihnen interagieren – sie ist allseits bekannt im Umgang mit Haustieren. „Und tatsächlich sind Vertreter von Heimtierarten wie Hunde, Katzen und Pferde aufmerksamer und lernen effektiver, wenn sie von Menschen zielgerichtet angesprochen werden“, erklärt Studienerstautorin Kimberly Brosche vom Messerli Forschungsinstitut für Mensch-Tier-Beziehung der Vetmeduni.
Im Test: Zuchtschweine, Forschungsschweine und als Heimtiere gehaltene Schweine
Unklar war bisher jedoch, ob domestizierte Tierarten, die nicht als Heimtiere genützt/gezüchtet werden – wie Schweine – ähnlich reagieren. Die Forscher:innen untersuchten deshalb, ob diese sogenannte menschliche Ostension (das direkte „Ansprechen“ eines Gegenübers) bei Hausschweinen, die in erster Linie für landwirtschaftliche Zwecke gehalten werden, die Aufmerksamkeit und ihren Erfolg/ihre Leistung im Folgen menschlicher Hinweise erhöht und ob Erfahrungen mit Menschen ihre kognitive Leistung positiv beeinflussen. 54 Schweine mit unterschiedlicher Erfahrung mit Menschen – Zuchtschweine, für die Verhaltensforschung gehaltene Freilandschweine und als Heimtiere gehaltene Schweine – absolvierten zu diesem Zweck ostensive und nicht-ostensive Versionen von drei verschiedenen Aufgaben. „Die Minischweine/Heimtier-Schweine sind dabei Teil eines Langzeitprojektes und leben bei Menschenfamilien, ähnlich wie Haushunde“, beschreiben Paula Pérez Fraga und Attila Andics, Co-Autor:innen vom Ethologie-Department der Eötvös Loránd Universität Budapest, die Situation der am meisten sozialisierten Schweinegruppe. „Die Forschungsschweine hingegen wurden von Geburt an trainiert und haben an zahlreichen Verhaltensstudien teilgenommen. Sie sind daher zwar sehr an den Umgang mit Menschen gewöhnt, verbringen ihre ‚Freizeit‘ aber unter sich auf der Wiese“, fügt Marianne Wondrak, Co-Autorin vom Clever Pig Lab Gut Aiderbichl, hinzu.
Schweine reagieren auf Menschen, aber nicht durch bessere Leistungen
Die Forscher:innen erwarteten, dass Schweine auf die menschliche Ostension mit erhöhter Aufmerksamkeit und verbesserter Leistung reagieren würden. Wenn die Sensibilität für Ostension aufgrund der Erfahrung mit Menschen zunimmt, sollten gemäß ihrer Annahme intensiver mit dem Menschen sozialisierte Schweine aufmerksamer sein und ihre Aufgaben besser meistern als weniger sozialisierte. Tatsächlich deuten die Ergebnisse darauf hin, „dass die Schweine in einer Aufgabe, in der ein Mensch ihnen den Weg um ein Hindernis zeigt, aufmerksamer auf ostensive als auf nicht-ostensive menschliche Signale reagieren. Ansonsten hatte die Ostension aber keinen Einfluss auf ihre Aufmerksamkeit oder die Bewältigung der Aufgaben“, erklärt Studienzweitautorin Ariane Veit vom Messerli Forschungsinstitut.
Trainingserfahrungen verbessern die Aufmerksamkeit und kognitive Leistung
Dies deutet laut den Wissenschafter:innen darauf hin, dass Schweine vom Menschen gelieferte Informationen anders verarbeiten als Heimtiere wie Hunde oder Pferde, auch wenn bei ihnen die Aufmerksamkeit ebenfalls durch Ostension erhöht wird. „Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass die Lebensbedingungen und die Erfahrung, wie das Training, unabhängig von der Ostension, die Aufmerksamkeit und die Leistung von Schweinen beeinflussen. Diese Ergebnisse verdeutlichen den Einfluss von Trainingserfahrungen und möglicherweise Wohlergehen auf die Problemlösungsfähigkeiten von Schweinen“, so Studien-Letztautorin Zsófia Virányi, die ebenfalls am Messerli Forschungsinstitut tätig ist… .
Muss man Deutschland wegen solcher Probleme nicht lieben? Warentest für Ebersperma: Gericht stoppt Behörden-Planspiel mit Zuchtzeug
Was klingt wie ein bizarrer Plot aus einer ländlichen Sitcom, ist in Wirklichkeit Verwaltungsrealität im besten Deutschland aller Zeiten: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat entschieden, dass die Veröffentlichung eines behördlich organisierten Ebersperma-Warentests unrechtmäßig war. Ja, Sie haben richtig gelesen – es ging tatsächlich um Schweinezucht, Spermaqualität und… Juristerei auf höchstem Niveau.
Bewertet, beurteilt, blamiert
Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hatte mit tierischer Gründlichkeit den „10. Warentest für Mastferkel“ durchgeführt. Ziel: Herausfinden, welches Zucht-Ebersperma am besten „performt“. Dazu wurde Schweinesperma von vier Zuchtorganisationen – darunter der Kläger – in Mastferkeln eingesetzt, die Ergebnisse ausgewertet, und dann – wie bei Stiftung Warentest – öffentlich Schulnoten verteilt: Der Kläger bekam ein „befriedigend+“. Die Konkurrenz schnitt besser ab. Nicht „Genetik-Gold“, sondern eher „DNA-Durchschnitt“.
Was dann folgte, war weniger Sauerei als Juristerei. Denn: Die Veröffentlichung der Noten verletze laut Gericht die Berufsfreiheit des klagenden Zuchtbetriebs. Schließlich könnte so ein öffentliches „Befriedigend“ bei potenziellen Ferkelkäufer*innen für Haltungsveränderungen sorgen – und zwar nicht im Stall, sondern auf dem Markt.
Gesetz ohne Grundlage – jetzt mit Update!
Pikantes Detail: Die Kammer stützte sich bei der Veröffentlichung auf ein Gesetz, das zwar einen ganzen Katalog an Aufgaben aufzählt (u.a. Gleichstellung, Tierseuchen, internationale Zusammenarbeit und vermutlich auch gute Laune), aber eben keine Erlaubnis enthält, Zuchtleistungen mit Schulnoten an die große Glocke zu hängen.
Das wusste offenbar auch der Gesetzgeber – und hat mittlerweile nachgebessert. In der neuen Fassung darf nun getestet und veröffentlicht werden. Aber eben nicht rückwirkend, wie das Gericht nun klargestellt hat. Kurzum: Wer heute Ebersperma benotet, sollte juristisch besser abgesichert sein als ein Kastrat.
Fazit: Wenn Schweine fliegen könnten…
…würde in Deutschland vermutlich auch ein Flugtauglichkeitstest für Eber beantragt – mit Datenschutzprüfung und Gegengutachten. Bis dahin bleibt uns dieser Fall als Paradebeispiel deutscher Verwaltungskunst in Erinnerung: Kein Problem zu klein, kein Spermatest zu obskur, kein Gesetz zu vage, um nicht Jahre später auf dem juristischen Seziertisch zu landen.
Aber Hand aufs Herz: Muss man ein Land nicht lieben, in dem selbst die Genetik von Zuchtebern Verfassungsrang bekommt?
Aktenzeichen mit Grunzgarantie: 21 A 2111/19 – VG Münster lässt grüßen.
In den AVA-News vom 27. 06.2025 berichteten wir bereits über diesen "sonderbaren" Fall.
Österreich: Hohe Ferkelpreise, gute Stimmung
Im Haus der Landwirtschaft in Wels trafen sich kürzlich die Mitglieder des Verbands landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten (VLV) zur Vollversammlung. Gute Ergebnisse sorgten dabei für gute Stimmung.
Ferkel: Allzeit-Hoch bei Preisen 2023 und 2024
Ferkelring-Geschäftsführer Johann Stinglmayr zeigte das für Ferkelerzeuger überaus erfreuliche Ergebnis in der Ferkelvermarktung auf. Sowohl 2023 als auch 2024 stand mit einem Preis von 120 Euro pro Stück ein Allzeit-Hoch zu Buche, was in dieser Zeit Deckungsbeiträge von 50 bis 55 Euro je Ferkel bedeutete. Weniger positiv fiel sein Urteil zu den Themen „Aktionsplan Schwanzkupieren“ und das Umsetzen der Konsequenzen aus der Entscheidung zum Thema Vollspaltenboden aus. Als heikelstes Thema befand Stinglmayr die ab 1. Juni 2029 erforderliche Erhöhung des Platzangebotes für Ferkel auf 0,4 Quadratmeter und für Mastschweine auf 0,8 Quadratmeter je Tier. „Das wird zu einer schmerzlichen Reduktion der heimischen Produktion führen“, so Stinglmayr, zudem dürfte dieser Punkt für die AMA-Gütesiegelrichtlinie zu einer Herausforderung werden.
„Die Erhöhung des Platzangebotes für Ferkel und Mastschweine wird zu einer schmerzlichen Reduktion der heimischen Produktion führen“: Johann Stinglmayr… .
Strukturwandel geht weiter: Noch 100.000 Betriebe in Österreich
Im Jahr 2023 gab es in Österreich 101’036 landwirtschaftliche Betriebe, wie aus der Agrarstrukturerhebung 2023 von Statistik Austria hervorgeht. Das bedeutet einen Rückgang der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 8,8 % gegenüber der vorangegangenen Erhebung 2020. Die Betriebe werden immer grösser.
Insgesamt waren 304’974 Personen in landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt. 75’559 Betriebe hielten Nutztiere, 24’052 Betriebe wirtschafteten nach biologischen Richtlinien.
Familienbetriebe Rückgrat
«Der Trend zu weniger, dafür aber grösseren Betrieben in der österreichischen Landwirtschaft setzt sich fort. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ging seit 2020 um 9’745 Betriebe oder 8,8 % zurück», sagt Thomas Burg, fachstatistischer Generaldirektor von Statistik Austria.
Familien sind nach wie vor das Rückgrat der österreichischen Agrarwirtschaft. 78,6 % der Arbeitskräfte sind Familienangehörige. Nach wie vor steigt der Anteil der biologischen Bewirtschaftung: 23,8 % der landwirtschaftlichen Betriebe arbeiten nach biologischen Richtlinien, 2020 waren es 22,4 %.
Die Zahl der Betriebe, die sich mit der Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen, Pilzzucht und/oder mit der Nutztierhaltung beschäftigten, lag mit 101’036 um 8,8 % unter dem Wert der Vollerhebung im Jahr 2020. Unter Einbeziehung reiner Waldbetriebe ab 2 ha Waldfläche wurden gemäss Agrarstrukturerhebung 152’660 land- und forstwirtschaftliche Betriebe ermittelt. Änderungen in der Erfassungsmethodik schränken die Vergleichbarkeit laut Behörden allerdings etwas ein.
Trend zu grösseren Betrieben
Nach wie vor ist die österreichische Landwirtschaft vergleichsweise klein strukturiert, der Trend zu grösseren Betrieben hält dennoch ungebrochen an: Wurde 2020 von einem landwirtschaftlichen Betrieb im Durchschnitt eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von 23,6 ha bewirtschaftet, so waren es 2023 25,6 ha.
Diese Tendenz spiegelt sich auch in der Tierhaltung wider: Hielt ein österreichischer Betrieb 2020 im Durchschnitt 34 Rinder, so nahm die Herdengrösse seitdem auf 36 Rinder pro Betrieb zu. Der durchschnittliche Schweinebestand stieg seit 2020 von 112 auf 119 Tiere an. Bei Schafen wuchs der durchschnittliche Bestand im gleichen Zeitraum von 33 auf 35 Tiere an, bei Ziegen von 12 auf 14.
Mehrheit im Haupterwerb
Von den 101’036 Betrieben wurden 53% im Haupterwerb und 44% im Nebenerwerb geführt, sprich der überwiegende Teil der österreichischen Betriebe wurde als Familienbetrieb geführt. Bei den restlichen 3% handelte es sich um Personengemeinschaften bzw. Betriebe juristischer Personen. Im Vergleich dazu wurden im Jahr 2020 50% aller Betriebe im Haupterwerb und 46% im Nebenerwerb geführt.
Der Anteil an Personengemeinschaften bzw. Betrieben juristischer Personen betrug 4%. In den landwirtschaftlichen Betrieben waren insgesamt 304’974 Personen (−10 % im Vergleich zu 2020) beschäftigt, davon entfielen 239’816 (−11 %) auf familieneigene Arbeitskräfte und 65 159 (−4%) auf familienfremde. Mehr als ein Drittel (36%) der landwirtschaftlichen Betriebe wurde von Frauen geführt. 2020 lag der Anteil bei 35%.
Ein Viertel Biobetriebe
Der Anteil des Biolandbaus an der österreichischen Landwirtschaft steigt stetig: 2023 wurden 24’052 Betriebe oder 23,8 % der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich als Biobetriebe geführt, im Jahr 2020 lag der Anteil bei 22,4 %. Wenngleich der Anteil der Biobetriebe an allen landwirtschaftlichen Betrieben stieg, ging die absolute Zahl der Biobetriebe im Vergleich zu 2020 um 3 % zurück.
Dies ist auf geänderte Anforderungen in der EU-Bio-Verordnung sowie auf die ab 2022 geltenden Weidevorgaben mit verpflichtender Weidehaltung zurückzuführen. Die biologisch bewirtschaftete landwirtschaftlich genutzte Fläche betrug 2023 691’945 ha. Im Durchschnitt entfielen somit auf einen Biobetrieb 28,8 ha. Im Vergleich dazu waren es 2020 in Summe 682’345 ha bzw. 27,5 ha, die ein Betrieb biologisch bewirtschaftete.
Niederlande vereinbart Pakt zu tiergerechter Tierhaltung
In den Niederlanden hat Agrarministerin Wiersma mit Vertretern der Landwirtschaft, von Tierschutzorganisationen sowie der Unternehmen in der Kette einen Pakt für eine tiergerechte Tierhaltung geschlossen.
In den Niederlanden hat Agrarministerin Wiersma mit Vertretern der Landwirtschaft, von Tierschutzorganisationen sowie der Unternehmen in der Kette einen Pakt für eine tiergerechte Tierhaltung geschlossen. Schritt für Schritt soll der Tierschutz in der Nutztierhaltung bis 2040 verbessert werden, wobei auch auf ein angemessenes Einkommen der Landwirte geachtet werden soll. Der Pakt knüpft an den Verordnungsentwurf für eine tiergerechte Tierhaltung 2040 an, den Wiersma jetzt in die Konsultation gegeben hat, berichtet AgE.
Kühe öfter auf der Weide, mehr Platz für Geflügel und Ferkel länger bei der Sau. Dies sind einige der Vereinbarungen aus dem Pakt Stappen naar een dierwaardige veehouderij - Schritte zu einer tiergerechten Tierhaltung -, den Vertreter der Landwirtschaft, der Tierschutzorganisationen sowie der Unternehmen in der Kette am Dienstag (24.6.) gemeinsam mit Landwirtschaftsministerin Femke Marije Wiersma unterzeichnet haben. Schritt für Schritt soll der Tierschutz in der niederländischen Nutztierhaltung bis 2040 verbessert werden, wobei aber auch auf ein angemessenes Einkommen der Landwirte geachtet werden soll. Die neue Behörde für Tierhaltung wird laut Wiersma die Fortschritte überwachen und darüber berichten.
Ganze Kette in der Verantwortung
Die Landwirte könnten diesen Wandel nicht sofort und vor allem nicht allein vollziehen, sagte Wiersma. Deshalb sehe der Pakt vor, dass auch Supermärkte, Verarbeiter und andere Marktteilnehmer Verantwortung übernehmen. Die Produkte müssten zu einem fairen Preis eingekauft werden, damit die Landwirte auch bei steigenden Kosten ein angemessenes Einkommen erzielen könnten.
In den kommenden Jahren sollen der Ressortchefin zufolge alle an dem Pakt beteiligten Parteien noch mehr Wissen entwickeln, praktische Versuche durchführen und Vereinbarungen mit anderen Marktakteuren treffen. Auf diese Weise werden wir herausfinden, was in der Praxis funktioniert, und Vorreiter können schneller handeln, erläuterte Wiersma. Die Regierung habe dafür 51 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.
Die neu eingerichtete Behörde für artgerechte Tierhaltung soll die Entwicklung überwachen und berichten, ob die Ziele des Paktes erreicht werden. Geplant ist, dass die Behörde 2028, 2033 und 2038 jeweils prüft, ob alle Voraussetzungen für die nächsten Schritte erfüllt sind.
Zahlreiche Vorgaben im Verordnungsentwurf
Die Vereinbarung ist eng mit der geplanten Verordnung für eine tiergerechte Tierhaltung 2040 abgestimmt, die Wiersma ebenfalls am Dienstag zur Internetkonsultation freigegeben hat. Die darin enthaltenen Maßnahmen sollen per Gesetz für alle Tierhalter verbindlich werden. Interessierte Bürger, Unternehmen und Organisationen können bis zum 5. August auf den Entwurf der Durchführungsverordnung reagieren. Die Ministerin geht davon aus, dass die Vorlage im Herbst dem Senat und der Abgeordnetenkammer vorgelegt wird. Diese sieht zwischen 2027 und 2040 zu diversen Zeitpunkten neue Vorschriften für die Haltung von Milchkühen, Kälbern, Hühnern und Schweinen vor.
Das ist für die Schweinehaltung vorgesehen
Zur Schweinehaltung sind unter anderem zum Tageslichteinfall strengere Vorgaben ab den Jahren 2035 und 2040 vorgesehen, zu den Futter- und Tränkeplätzen ab 2030. Vorgaben zur Ausweisung von Funktionsbereichen sollen 2035 und 2040 in Kraft treten, strengere Maßnahmen zum Stallklima 2028 und 2030. Für 2028 ist zudem vorgesehen, dass Ferkel ab dem Alter von einer Woche Futter in der Nähe der Sau erhalten. Bis 2040 ist es das Ziel, dass sich die Sau in der Abferkelphase frei bewegen kann. Die Belegungsdichte soll dann gesenkt werden. Ein Verbot des Kupierens der Eckzähne der Ferkel ist für 2030 geplant, das Kupieren der Schwänze soll in den Jahren 2028 bis 2030 auslaufen.
Vorschriften müssen in der Praxis erprobt werden
Die Ministerin stellte zu den Vorgaben fest, dass einige Vorschriften und Verhaltensanforderungen der weiteren Forschung bedürften und/oder in Pilotprojekten in der Praxis erprobt werden müssten. Einige Vorschriften dürften sich negativ auf die Emissionen von Stickstoff, Feinstaub, Geruch und Treibhausgasen auswirken. Hierfür müssten zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden, so Wiersma. Einige Vorschriften erforderten erhebliche Investitionen oder bedeuteten eine große Veränderung, zum Beispiel die zur zulässigen Besatzdichte. Auch könnten gewisse Vorgaben nur mit einer umfassenden Renovierung oder dem Neubau von Ställen umgesetzt werden. Dafür benötigten die Tierhalter eine Genehmigung.
Fleisch genießen – aber möglichst von Bio-Haltung auf Weiden
Auf Weiden braucht es Nutztiere. Eine Ergänzung zum Artikel «Tiertransporte machen fühlende Wesen zu Waren – es ginge anders».
Wir alle wissen: Die Massentierhaltung ist schlecht für das Tier, schlecht für die Umwelt und schlecht für das Klima. Wir essen zu viel Fleisch. Doch vergessen wir nicht: Weidetiere, sinnvoll gehalten, sind für unsere Lebensmittelsicherheit, die Fruchtbarkeit der Böden und die Artenvielfalt von existentieller Bedeutung:
Grasland kann man nicht pflügen
Wir Menschen können kein Gras essen, wir können es nicht verdauen. Doch rund zwei Drittel der schweizerischen – und der weltweiten- Landwirtschaftsfläche sind permanentes Grasland, das man nicht pflügen kann, weil es zu steil oder klimatisch nicht geeignet ist. Zwei Drittel! Niemand ausser Kühen, Schafen oder Ziegen kann Gras in wertvolle Proteine, also in Milch, Käse oder Fleisch, umwandeln. Wir brauchen die Wiederkäuer, um Gras effizient zu verwerten.
Die weltweit fruchtbarsten Böden, so etwa die Schwarzen Erden in der Ukraine, sind tiergemacht: Es sind ehemalige Steppenböden, die über Jahrtausende von grossen Tierherden beweidet wurden. Erst die Tiere bildeten die Grundlage für den Aufbau humusreicher Böden. Das Gras benötigt das Gefressenwerden durch Weidetiere wie auch ihren Kot und ihren Tritt. Ihr Kot ist fasrig, speichert Wasser und bietet mit seiner grossen Oberfläche Milliarden von Kleinstlebewesen einen Lebensraum – so kann sich fruchtbarer Humus bilden.
Kunstdünger hingegen versickert sofort im Boden und trägt zur Bodenerosion bei… .
