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NEWS
von der AVA und aus der Branche
Landwirtschaftsminister Rainer stellt Weichen für Agrarexport und Bürokratieabbau
Mit der Einführung neuer Importzölle auf Düngemittel aus Russland hat die Europäische Union ein spürbares Signal gesetzt – mit direkten Folgen für den Agrarsektor. Zwar war die Entscheidung erwartet worden, doch die offizielle Bestätigung hat bereits eine Preisdynamik bei europäischen Herstellern ausgelöst. Diese kündigten kurz nach Bekanntgabe der Maßnahmen erste Preisaufschläge für kommende Lieferungen an.
Schon jetzt zeichnen sich spürbare Auswirkungen auf die Kostenstruktur der Betriebe ab. Vor allem bei Stickstoffdüngern macht sich eine Verknappung bemerkbar, die sich in steigenden Preisen widerspiegelt. Für Landwirte ist das besonders brisant, da gleichzeitig die Erlöse auf dem Getreidemarkt unter Druck geraten sind. Hohe Düngemittelkosten treffen somit auf schwächere Einnahmen.
Am 22. Mai wurde der Beschluss in Brüssel offiziell gefasst. Die EU-Kommission sieht in den Zöllen ein Mittel, um die Abhängigkeit von russischen Importen zu verringern. Aktuell bezieht die Union über ein Viertel ihrer stickstoffhaltigen Düngemittel aus Russland. Die Maßnahmen sollen schrittweise eingeführt werden und greifen somit sukzessive in den Markt ein.
Für viele europäische Produzenten stellt diese Entwicklung eine willkommene Unterstützung dar. Der heimische Sektor sieht sich gestärkt, während Agrarverbände die zusätzlichen Belastungen für die landwirtschaftlichen Betriebe kritisch betrachten. Die Sorge um steigende Produktionskosten wächst – nicht zuletzt angesichts eines ohnehin angespannten wirtschaftlichen Umfelds in der Landwirtschaft.
Die Stimmung unter Landwirten ist vielfach geprägt von Kostensteigerungen und rückläufigen Einkommen. Die Einführung neuer Zölle wird von vielen Betrieben daher als weitere Last empfunden. Es bleibt abzuwarten, wie stark die Preise in der kommenden Saison tatsächlich steigen werden, doch erste Schätzungen gehen je nach Produkt von einem Plus zwischen 15 und 25 Euro pro Tonne aus.
Um den Druck etwas zu mildern, plant die EU-Kommission begleitende Maßnahmen. So steht zur Diskussion, Zölle auf Düngemittelimporte aus Drittstaaten außerhalb Russlands vorübergehend auszusetzen. Ziel ist es, möglichen Preisschocks entgegenzuwirken und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Im Kern verfolgt Brüssel mit dem Schritt eine stärkere Eigenproduktion innerhalb der Union. Ob dies langfristig zu stabileren Preisen führt, bleibt offen. Kurzfristig sehen sich viele Betriebe jedoch mit steigenden Ausgaben konfrontiert – ein zusätzlicher Kostenfaktor in einem ohnehin wirtschaftlich herausfordernden Jahr.
Grüne fordern mehr Einsatz gegen Hitze und Dürre
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen warnt vor den Folgen des trockenen Frühlings für Mensch, Natur und Wirtschaft und fordert die Bundesregierung auf, „Frühjahrsdürre und Hitzeprognosen“ ernst zu nehmen und zu handeln.
Konkret verlangen die Abgeordneten in einem Antrag (21/351), den der Bundestag am heutigen Donnerstagabend erstmalig debattiert, die in der vergangenen Legislaturperiode beschlossene Nationale Wasserstrategie und die Deutsche Klimaanpassungsstrategie umzusetzen. Die Bundesregierung müsse Maßnahmen ergreifen, um Wasser in der Landschaft und im Kreislauf zu halten, heißt es im Antrag, zum Beispiel durch die Wiederherstellung von Mooren und Auen, durch Maßnahmen zur Entsiegelung und zum Rückbau von Entwässerungsstrukturen. Dazu solle auch das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, das bis 2028 insgesamt 3,5 Millionen Euro für Renaturierungsmaßnahmen vorsieht, ausgebaut und verstetigt werden.
Weitere Forderungen der Fraktion betreffen Maßnahmen, um die Klimaziele von Paris zu erreichen, Verbesserungen des Hitzeschutzes in den Bereichen Gesundheit und Arbeit sowie die Bereitstellung der „nötigen Finanzierungsgrundlagen“ auch für eine Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung.
Deutscher Bundestag, Parlamentsnachrichten, Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Damit aus chronischer Entzündung kein Krebs wird
Neuer Ansatz für entzündliche Darmerkrankungen
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind schwer behandelbar und bergen Komplikationsrisiken, darunter das Entstehen von Darmkrebs. Betroffen sind insbesondere junge Menschen: Kommen Veranlagung und bestimmte Faktoren zusammen, treten Erkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn meist zwischen dem 15. und 29. Lebensjahr zutage – eine Zeit, in der Ausbildung und Berufsstart im Zentrum stehen. Entscheidend sind eine zügige Diagnose und Behandlung. Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben jetzt einen therapeutischen Angriffspunkt entdeckt, der maßgeblich dazu beiträgt, die Entzündungsprozesse zu stoppen. Sie beschreiben ihn im aktuellen Journal Nature Immunology.
Charité-Forschende finden neuen Ansatz für entzündliche Darmerkrankungen
Mal schleichend, mal in Schüben – verbunden mit starken Bauchkrämpfen und Durchfällen, begleitet von Gewichtsverlust, Müdigkeit und einem hohen Leidensdruck – so zeigen sich die beiden häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Während bei Colitis ulcerosa nur die Schleimhaut des Dickdarms betroffen ist, sind es bei einer Crohn-Erkrankung die gesamte Darmwand, vor allem im Dünndarm, mitunter aber auch Magen und Speiseröhre. Die anhaltenden Entzündungen schädigen das Gewebe dauerhaft und erhöhen das Krebsrisiko. Klassische Behandlungsstrategien unterdrücken zumeist das Immunsystem. Neuere Therapien dagegen greifen gezielt in die Entzündungsreaktion ein und blockieren bestimmte körpereigene, entzündungsfördernde Botenstoffe.
Die Auslöser der schweren Systemerkrankungen sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Neben genetischen Komponenten tragen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Umwelteinflüsse zum ihrem Entstehen bei. Prof. Ahmed Hegazy erforscht an der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie der Charité seit mehreren Jahren die Entzündungsmechanismen und die Immunabwehr des Darms. Als treibende Kraft chronischer Darmentzündungen konnte er gemeinsam mit seinem Team nun das Zusammenspiel zweier Botenstoffe des Immunsystems ausmachen: Interleukin-22, ein Protein, das Zellen der innersten Schicht der Darmwand, des Epithels, unterstützt und die Barrierefunktion erhält und Onkostatin M, ein Signalmolekül, das wesentlich an der Geweberegeneration und Zelldifferenzierung beteiligt ist.
Unkontrollierte Kettenreaktion
„Wir treffen in der Klinik vor allem auf junge Patient:innen, die am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen. Bisher können wir die Krankheitsverläufe nur verlangsamen und Symptome lindern. Nicht alle Patient:innen sprechen gleichermaßen auf die verfügbaren Behandlungen an. Neue therapeutische Ansatzpunkte sind daher dringend nötig“, sagt Ahmed Hegazy. Bereits in vorangegangenen Arbeiten hat sich das Forschungsteam intensiv mit dem entzündungsfördernden Botenstoff Onkostatin M beschäftigt. Produziert von bestimmten Immunzellen, aktiviert dieses Protein weitere Entzündungsfaktoren – eine Kettenreaktion setzt sich in Gang, die zu einer ungehemmten Immunreaktion führt. „Besonders interessant war für uns die Beobachtung, dass Patient:innen mit hoher Onkostatin-M-Produktion auf einige der bekannten Therapien nicht ansprechen“, erklärt Ahmed Hegazy. „Die Onkostatin-M-Expression kann demnach auf ein mögliches Therapieversagen verweisen und als Biomarker für einen schweren Krankheitsverlauf dienen. Genau hier setzten wir an: Wir wollten die zugrunde liegende Signalkette noch besser verstehen – und sie gezielt therapeutisch unterbrechen.“....
Gegen Ärztemangel: Neuer Medizinstudiengang in Osnabrück?
Stadt und Landkreis Osnabrück haben am Dienstagmittag die Pläne für einen neuen Medizinstudiengang in Osnabrück bekannt gegeben. Demnach soll dort eine kommunal getragene medizinische Hochschule entstehen.
Geplant sei eine moderner und zukunftsorientierter Studiengang für Humanmedizin - finanziert von Stadt und Landkreis. Zehn Millionen Euro wollen diese dafür investieren. "Wir glauben, dass es verantwortbar ist, weil die Folgen, wenn wir nichts tun, deutlich schlimmer wären", sagt Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU). "Wenn die Menschen keinen Arzt mehr finden, der ihnen in gesundheitlich schwierigen Situationen hilft, dann haben wir ganz andere Herausforderungen als das notwendige Geld zu beschaffen." Später soll sich die Hochschule selbst tragen, unter anderem über Studiengebühren.
Aufbau und Finanzierung durch Stadt und Landkreis einzigartig
Jahrelang habe man sich beim Land Niedersachsen für eine medizinische Fakultät in Osnabrück eingesetzt, allerdings vergeblich, so Susanne Menzel-Riedl, Präsidentin der Universität Osnabrück. Dass nun Stadt und Landkreis selbst eine neue Hochschule etablieren wollen, sei einzigartig in Niedersachsen. In Kooperation mit Universität und Hochschule sowie den Krankenhäusern in der Region wollen die Kommunen den Studiengang in den kommenden zwei Jahren aufbauen. Zum Wintersemester 2027 sollen dann die ersten 50 Studierenden starten. 500 sollen es einmal insgesamt werden.
Forschung zu Künstlicher Intelligenz in der Medizin
"Uni und Hochschule haben bereits gut ausgebaute Strukturen wie Hörsäle, Laboratorien und Bibliotheken, auf die dann auch die medizinische Fakultät zugreifen könnte", erklärt Landrätin Anna Kebschull (Grüne). Außerdem könne gemeinsam geforscht werden. Die Universität könne zum Beispiel mit den Kognitionswissenschaften an aktuelle Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz in der Medizin anknüpfen, so Uni-Präsidentin Menzel-Riedl: "Die medizinischen Berufe verändern sich derzeit massiv durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Manchmal wird dann gedacht, in Zukunft brauchen wir keine Ärztinnen und Ärzte mehr, aber das Gegenteil ist der Fall. Wir brauchen anders ausgebildete Ärztinnen und Ärzte."
Studieninhalte an Region angepasst
Da dass Curriculum in Osnabrück komplett neu aufgebaut werde, sei es sehr viel einfacher solche Zukunftsthemen von vornherein darin zu verankern als an bereits etablierten Universitäten, meint Menzel-Riedl. Das sei ein enormer Standortvorteil. Außerdem könne das Studium auch inhaltlich zumindest teilweise an die Voraussetzungen und Herausforderungen der Region Osnabrück angepasst werden. Dasselbe gelte für Zulassungsvoraussetzungen, meint Oberbürgermeisterin Pötter. "Die müssen wir noch im Detail ausarbeiten. Wir wollen aber, dass die Abiturnote und der Numerus Clausus nicht der einzige Weg ins Medizinstudium sind."
Stipendien gegen Ärztemangel auf dem Land
Bei der Finanzierung der Studiengebühren sollen den Bewerberinnen und Bewerbern unter anderem die Gemeinden helfen, in denen es zu wenig Ärzte gibt. So könnten diese etwa mit einer Auflage verbundene Stipendien vergeben. Wer so ein Stipendium bekommt, muss sich verpflichten, nach dem Studienabschluss für eine festgelegte Zeit in der entsprechenden Gemeinde zu praktizieren. Wenn Studierende erst einen Freundeskreis aufgebaut und vielleicht eine Familie gegründet haben, bleiben sie eventuell als fertig ausgebildete Ärzte eher in der Region, so die Hoffnung.
Landwirte und Schlachthof ziehen vor Gericht
Prozessauftakt gegen Tierrechtsaktivisten in Oldenburg
Am 11. Juni beginnt am Landgericht Oldenburg der erste von wahrscheinlich mehreren Prozessen: Die Brand Qualitätsfleisch GmbH aus Lohne geht juristisch gegen zwei Tierrechtsaktivisten der Tierrechtsgruppe Animal Rights Watch (ARIWA) vor. Der Vorwurf: wiederholte Stalleinbrüche, das heimliche Filmen in Betrieben und die mediale Verbreitung der Aufnahmen mit dem Ziel, das Unternehmen öffentlich zu diskreditieren. „Vier Aktivisten sind bei uns im Schlachthof eingedrungen, haben unsere CO2-Betäubung gefilmt und in falschem Kontext veröffentlicht“, erklärt Niko Brand, Inhaber des gleichnamigen Schlachthofs in vierter Generation, gegenüber dem Landvolk-Pressedienst. „Das Betäuben und Töten von Tieren ist nie schön anzusehen – aber wir halten uns strikt an gesetzliche Vorgaben, arbeiten mit Veterinärbehörden zusammen und investieren in Tierwohl.“
Besonders betroffen von einer ganzen Serie von Hausfriedensbrüchen in Ställen, für die die Tierrechtsgruppe ARIWA verantwortlich zeichnet, sind Betriebe mit hohen Haltungsstufen – ein Punkt, der bei den Landwirten für Unverständnis sorgt. „Gezielt haben sich die Aktivisten auf Ställe der Stufen 3, 4 und 5 konzentriert – sogar Biobetriebe waren betroffen“, berichtet der 36-Jährige. „Das zeigt, dass es ihnen nicht um eine Verbesserung der Tierhaltung geht, sondern um deren generelle Abschaffung.“ Nicht weniger als 21 Betriebe sind Opfer der Straftaten der Tierrechtler geworden, manche davon sogar mehrfach. Viele der betroffenen Betriebe bereiten daher jetzt strafrechtliche und zivilrechtliche Schritte gegen die Täter und die Tierrechtsgruppe vor.
Die Aktivisten haben bewusst den Weg gewählt, nächtliche Hausfriedensbrüche in Ställen zu begehen und dabei die Gefahr eines erheblichen Seuchen- und Krankheitsgeschehens in den Herden in Kauf genommen, statt auf Gesprächsangebote und Hofbesuche zu setzen. Für die betroffenen Landwirte ein Zeichen, dass es sich um eine bewusste Eskalation handelt. „Die Unsicherheit unter den Landwirten ist groß. Viele fragen sich, ob sich Investitionen in Tierwohl überhaupt noch lohnen, wenn sie trotzdem an den Pranger gestellt werden“, beschreibt Brand die aktuelle Stimmung in der Branche.
Im Fokus der juristischen Auseinandersetzung stehen neben dem Hausfriedensbruch auch Anzeigen wegen Verleumdung. Gegen zwei der Aktivisten wird nun am 11. Juni vor dem Landgericht Oldenburg in einem Zivilverfahren verhandelt. Die Brand Qualitätsfleisch GmbH klagt auf Unterlassung und Feststellung einer Schadensersatzpflicht. „Wir setzen auf einen starken Rechtsstaat“, sagt Brand.
Dabei ist der Lohner Unternehmer kein Gegner des Dialogs – im Gegenteil. In seinem Betrieb werden wöchentlich rund 15.000 Schweine geschlachtet, viele davon aus höheren Haltungsstufen. Investitionen in Offenstallhaltung und moderne Schlachttechniken gehören für ihn zur Unternehmensphilosophie. „Wir sind offen für Kritik – aber nicht für heimliche Aufnahmen und Manipulation.“
Das Landvolk Niedersachsen begrüßt diesen Schritt zur rechtlichen Klärung. „Diesen Aktivisten geht es nicht um Verbesserung, sondern um Abschaffung unserer Tierhaltung mit hohen Tierwohlansprüchen. Klar ist, dass sie sich so ihr Spendenaufkommen sichern wollen“, verurteilt Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers das Geschäftsmodell der Hausfriedensbrüche in Ställen zur Videobeschaffung für Spenden-Kampagnen. Für Niko Brand ist das Ziel klar: „Wir wollen in Ruhe gute Lebensmittel erzeugen – mit höchsten Standards für Mensch und Tier.“
Schweizer Bauern setzen Zeichen: Traktoren rollen vor Bundeshaus
Nachdem die Pflanzaktion vor dem Bundesamt für Landwirtschaft nicht stattfinden konnte, machte eine Delegation der bäuerlichen Basisbewegung vor dem Parlamentsgebäude in Bern auf sich aufmerksam.
Ihre Forderungen sind klar. Die bäuerliche Basisbewegung will eine Priorisierung der Ernährungssicherheit , die Reduzierung administrativer Hürden und Selbstbestimmung in der Landwirtschaft, langfristige Planungssicherheit und erweiterten Grenzschutz.
«BLW muss aufgemischt werden!»
Um dafür einzustehen, zeigte sich eine Delegation der Bewegung vor dem Bundeshaus. Die Forderungen wurden auch aus den Transparenten, die die Traktoren zierten, deutlich. So hiess es «No farmers, no food, no future», zu Deutsch keine Bauern, keine Nahrungsmittel, keine Zukunft oder «Digiflus No-Go».
Klare Worte waren auch an das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gerichtet mit: «BLW muss aufgemischt werden!» Die letzte geplante Aktion vor dem Bundesamt, die bäuerliche Basisbewegung wollte Kartoffeln pflanzen, musste abgesagt werden. Das BLW begründete dies mit möglichen unterirdischen Stromkabeln und nötigen Abklärungen.
Parlamentarier posierten mit Traktor
Die Initianten liessen sich davon nicht aufhalten. Die Aktion am Mittwochnachmittag zog auch die Aufmerksamkeit einiger bäuerlichen Parlamentarier und einer Parlamentarier während der laufenden Sommersession auf sich. Es kam zu einer kurzen Verkehrsunterbrechung, als diese neben dem Traktor für ein Foto bereit standen. Die gesamte Aktion verlief aber ruhig und friedlich. Dies auch in Ostermundigen BE. Dort versammelten sich rund 200 Personen mit rund 70 Traktoren.
Auf der Bühne mit dem Transparent «Stopp dem Abbruch der Inlandversorgung», fanden die Referenten deutliche Worte. So sagte Landwirt Stefan Krähenbühl: «Eine Bauernfamilie kann Digiflux nicht stemmen, das ist unmöglich.» Neben dem administrativen Aufwand, der überborde, sprach Krähenbühl den hohen Preisdruck auf die Produzenten an.
Fehlender Respekt
Weiter ginge bei den Konsumenten im Unterschied zu den Zeiten seines Grossvaters im zweiten Weltkrieg vergessen, wie viel Herzblut hinter den Produkten stehe, die immer verfügbar seien. Die Generation seines Grossvaters habe noch gewusst, was Hunger heisst und wenn das Essen einmal nicht auf dem Tisch stehe. «Aber heute ist das grösste Problem wenn wir einmal kein Wlan haben», so Krähenbühl. Zu den Kartoffeln aus der Pflanzaktion sagte Krähenbühl: «Wir haben sie nun bei besten Bedingungen gepflanzt.» Die zugehörige Maschine war neben der Bühne zu sehen.
Auch Rosmarie Fischer-von Weissenfluh, Meisterlandwirtin und Co-Betriebsleiterin, sprach Wertschätzung an. Sie dankte der Bevölkerung für jene in den vergangenen Abstimmungen. Etwas anders sieht sie jene der Amtsvertreter und der Politik. Wertschätzung sei für die Landwirte, wenn man mit ihnen Politik mache und nicht über ihren Kopf hinweg. Wertschätzung sei auch, wenn sie als Unternehmerin respektiert werde, wenn sie entscheiden könne, was sie mit ihren Fähigkeiten und ihrem Betriebsstandort mache.
Nicht ausbremsen lassen
Sie habe ein Flair für die Tierproduktion. «Warum sollte ich also Produkte, die ich selbst nicht produzieren kann, nicht bei meinen Kollegen einkaufen?» Sie sagte, sie führten einen Betrieb mit intensiver Schweinemast, Milchproduktion und Futterbau. «Wir sind einer dieser Betriebe, die man nicht mehr will», so Fischer- von Weissenfluh.
Wie es nach dieser Aktion weitergeht ist offen. Stefan Krähenbühl sagte: «Es wird gemunkelt, das war nur der Anfang heute.» Und in der vor der Aktion versandten Medienmitteilung liess die Bewegung verlauten: «Die Bewegung geht weiter – wir lassen uns nicht ausbremsen.» Solange ihre Anliegen ignoriert würden, würden sie sicht- und hörbar bleiben.
Interview mit Carina Driehsen vom Veterinäramt im Kreis Viersen
„Wenn Tiere im Mist stehen, ist das eine Beeinträchtigung“
Videoaufnahmen der Organisation Animal Rights Watch (Ariwa) von der Schweinehaltung am Pötterhof in Brüggen sorgten für einen großen Aufschrei - und warfen die Frage auf, warum sich das Veterinäramt zu dem Thema weitestgehend bedeckt hielt. Carina Driehsen, Leiterin des Veterinäramts im Kreis Viersen, nimmt dazu Stellung.
Wie häufig werden Betriebe von Ihnen jährlich kontrolliert? Wie oft sind die Kontrollen angekündigt und wie oft unangekündigt?... .
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer beim Deutschen Raiffeisentag: "Genossenschaften sind Macher und nicht Verhinderer" / Vom Deutschen Raiffeisentag 2025 geht Aufbruchstimmung aus.
Die mehr als 1.600 Genossenschaften und genossenschaftlich orientierten Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft in Deutschland sind bereit für eine neue Ära der Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft. Dieses Signal ging deutlich vom Deutschen Raiffeisentag 2025 aus. "Unsere Unternehmen stehen auf dem Startblock, um nun schnell die Fesseln zu lösen und ins Machen zu kommen. Es herrscht Aufbruchstimmung", sagte der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV), Franz-Josef Holzenkamp. Er machte deutlich: "Erfolge aus der Wirtschaft und in der Praxis erprobte Vorleistungen müssen gehört und in die politische Arbeit der neuen Bundesregierung einfließen. Wir brauchen nun Tempo bei Entscheidungen für spürbare bürokratische und finanzielle Entlastungen sowie für mehr Verlässlichkeit. Dies wird Investitionen auslösen und Wertschöpfung schaffen." Vor der Rekordbesucherzahl von rund 350 Führungskräften der genossenschaftlichen Agrar- und Ernährungswirtschaft erneuerte der DRV-Präsident sein Angebot an die Politik, "gemeinsam auf Augenhöhe um die besten Lösungen zu ringen".
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Dieses Angebot nehme ich sehr gerne an", sagte der neue Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, und ergänzte, dass der DRV und seine Mitgliedsunternehmen wichtige Ansprechpartner für das Ministerium seien. Er ließ keinen Zweifel daran, dass er Genossenschaften als unentbehrlich entlang der Wertschöpfungskette Ernährung ansieht: "Sie sind ein unverzichtbarer Stützpfeiler der Landwirtschaft. Sie sind Macher und nicht Verhinderer. Die Interessen der Genossenschaft werden wir entsprechend auch berücksichtigen. Wir brauchen ihre Ideen, ihre Innovationen und ihren Rückhalt."
Rainer versprach beim Deutschen Raiffeisentag, Freiräume für die Unternehmen und eine Kultur des Vertrauens zu schaffen, in der Eigenverantwortung eine zentrale Rolle spielt. Er bekannte sich deutlich zur deutschen Tierhaltung. Die tierische Erzeugung dürfe nicht ins Ausland abwandern, die Wertschöpfung müsse im Land gehalten werden. Darüber hinaus versprach er, den Bürokratieabbau über eine eigene Stabsstelle im Ministerium zu forcieren. Mit Blick auf die europäische Agrarpolitik in Brüssel bekräftigte er seine Forderung zur Einführung einer Null-Risiko-Kategorie bei der EUDR. Außerdem stellte er sich hinsichtlich der Anwendung der Artikel 148 und 168 GMO erneut hinter die DRV-Forderung: Die Entscheidung über eine Umsetzung müsse weiterhin freiwillig in den Mitgliedstaaten verbleiben, so der Minister. Eine klare Absage erteilte er auch dem deutschen Gold-Plating von EU-Gesetzen: "Nationale Verschärfungen wird es in dieser Form nicht mehr geben."
Dirk Wiese, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, versprach wichtige Weichenstellungen für mehr Planbarkeit und Entlastung der Branche noch vor der Sommerpause. Der Innovationsbooster solle ebenso angegangen werden, wie die Senkung der Energiekosten. "Wir sind gewillt, anzupacken", betonte Wiese und stellte heraus: "Wir brauchen mehr Zuversicht in unserem Land." Dies begrüßte DRV-Präsident Holzenkamp ausdrücklich: "Zutrauen und Vertrauen sind entscheidend. Das sind optimistische Aussichten. Es ist wichtig, die großen Herausforderungen schnell und ernsthaft anzugehen."
Über den DRV
Der DRV vertritt die Interessen der genossenschaftlich orientierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Als wichtiges Glied der Wertschöpfungskette Lebensmittel erzielen die 1.656 DRV-Mitgliedsunternehmen in der Erzeugung, im Handel und in der Verarbeitung von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen mit rund 114.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von 82,8 Milliarden Euro. Landwirte, Gärtner und Winzer sind die Mitglieder und damit Eigentümer der Genossenschaften… .
Niedersachsen fördert nachhaltige und tiergerechte Landwirtschaft
Landwirtschaftliche Betriebe können sich Agrarinvestitionen, die bestimmte Anforderungen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz erfüllen, vom Land Niedersachsen fördern lassen. Wie das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mitteilt, können Anträge zwischen dem 3. und 19. Juni bei der Landwirtschaftskammer gestellt werden, die Mittel stammen aus dem Agrarinvestitionsförderungsprogramm. Hier stehen insgesamt 18 Millionen aus den Bundesländern Niedersachsen, Bremen und Hamburg sowie vom Bund und der EU zur Verfügung. Das Programm soll laut Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) landwirtschaftliche Betriebe dabei unterstützen, sich zukunftsfähig aufzustellen, wenn sie nachhaltige, umweltschonende und tiergerechte Investitionen planen.
Gießener Schweineprofessor der JLU, Prof. Gerald Reiner, erhält Staatsehrenpreis
Für seine herausragenden Leistungen in der Forschung zur Rotwildgenetik hat Prof. Gerald Reiner, Klinik für Schweine am Fachbereich Veterinärmedizin und Arbeitskreis Wildbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), vom Hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein den Staatsehrenpreis für Lebensraumgestaltung erhalten. Gemeinsam mit Prof.
Reiner ausgezeichnet wurden die Forstdirektoren a. D. Klaus Schwarz und Harald Voll. Alle drei Preisträger sind in der Arbeitsgruppe Genetik der Rotwild-Hegegemeinschaft Krofdorfer Forst aktiv.
Mit dem Preis wird die 15-jährige erfolgreiche Zusammenarbeit von Wissenschaft und jagdlicher Praxis gewürdigt. Die Preisträger konnten zeigen, dass der genetische Austausch zwischen den hessischen Rotwildpopulationen erheblich abgenommen hat und diese Isolation zu verminderter genetischer Vielfalt und Inzuchtdepression - verringerter Fitness von Individuen einer Population durch Inzucht - führt. So sind in mehreren hessischen Rotwildpopulationen bereits Tiere mit verkürzten Unterkiefern nachgewiesen worden - eine durch Inzucht hervorgerufene Missbildung.
Diese Arbeiten bildeten die Grundlagen für die Umsetzung von Wanderkorridoren für Rotwild in Hessen. »Nur wenn der genetische Austausch zwischen Rotwildpopulationen gesichert wird, kann das in Zeiten des Klimawandels so wichtige Anpassungsvermögen der Tiere bewahrt und die reale Bedrohung durch Inzuchtdepressionen abgewendet werden«, betont Prof. Reiner.
