Rufen Sie uns an: +49 (0) 2551-78 78
Heilpraktiker: Zwischen Haut und Humbug
Was haben das Antlitz, Störfelder und Zungenbeläge gemeinsam? Heilpraktiker nutzen sie für pseudomedizinische Diagnosen. Warum ihr die Verfahren kennen solltet und wie sie euren Patienten gefährlich werden können.

- 08.05.2025
Auch in unserer Apotheke kommt es immer wieder vor, dass Kunden mit einer Derma-Diagnose vom Heilpraktiker vorbeischauen. Oft bleibt dabei unklar, welche Untersuchungsmethoden dort genau zur Anwendung kamen und wie die mitgebrachten Diagnosen zustande gekommen sind – denn diese Verfahren unterscheiden sich teilweise stark von bekannten Standards und folgen häufig spekulativen Prinzipien. Dabei reicht das Spektrum von positiv zu sehenden ausführlichen Anamnesegesprächen bis hin zu besonders fragwürdigen diagnostischen Verfahren wie der Antlitzdiagnostik oder Kinesiologie. Damit ihr fürs nächste Kundengespräch gerüstet seid, habe ich hier einige dieser Methoden, die bei uns häufiger benannt werden, kritisch betrachtet.
Begriffsklärung und Einordnung
Wichtig ist die Unterscheidung: „Heilpraktiker“ und „naturheilkundliche Therapeuten“ sind keine Synonyme. Auch Ärzte können naturheilkundliche, evidenzbasierte Verfahren anwenden. Viele der im Folgenden beschriebenen Methoden zählen zur Alternativmedizin und sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Einzelne Verfahren – wie eine ausführliche Anamnese oder Ernährungsberatung – können hingegen durchaus evidenzbasiert sein und werden z. B. auch von Hausärzten eingesetzt.
Alternativmedizinische Anamnese
Im Gegensatz zur oft knapp bemessenen Zeit im Praxisalltag kann sich der Heilpraktiker üblicherweise deutlich mehr Zeit nehmen, um bei der Anamnese Informationen über den Patienten zu sammeln. Dazu gehören, wie in der Arztpraxis auch, der genaue Zeitpunkt des Auftretens einer Hautveränderung, der Verlauf einer Erkrankung, mögliche frühere Episoden sowie potenzielle Zusammenhänge mit Kontakt zu bestimmten Substanzen oder Allergenen. Ebenso werden Begleitsymptome, Begleiterkrankungen, aktuelle Medikamenteneinnahmen und die Familienanamnese eingehend betrachtet.
Alternativmedizinische Diagnoseverfahren mögen aufgrund der ausführlichen Anamnese beliebt sein. Dennoch mangelt es den meisten dieser Methoden an wissenschaftlicher Grundlage. Einzelne der verwendeten Verfahren, wie die ausführliche Anamnese oder Ernährungsberatung, können sinnvoll und evidenzbasiert sein. Die Mehrheit der hier vorgestellten Methoden ist jedoch spekulativ, birgt Risiken und darf keinesfalls alleiniger Ausgangspunkt diagnostischer oder therapeutischer Entscheidungen sein. Ärzte und Apotheker sollten Patienten klar auf diese Unterschiede und Risiken hinweisen… .


