Pflanzenhormone, sogenannte Zytokinine, kommen nicht nur in Pflanzen, sondern auch im Körper von Säugetieren vor. Forschende der Universität Würzburg haben nachgewiesen, dass Ernährung und Darmmikrobiom die Konzentration dieser Stoffe im Organismus wesentlich beeinflussen. Auch im Blut und in verschiedenen Organen lassen sich Zytokinine nachweisen. Die Ergebnisse eröffnen neue Forschungsansätze zur Bedeutung des Darmmikrobioms für die Säugetierphysiologie. Für die Nutztiermedizin sind insbesondere mögliche Zusammenhänge mit Fütterung, Stoffwechsel und Tiergesundheit interessant. Konkrete therapeutische Anwendungen lassen sich daraus allerdings noch nicht ableiten.

Pflanzenhormone auch im Säugetier: Neue Erkenntnisse verbinden Ernährung, Darmmikrobiom und Stoffwechsel

Was Pflanzenhormone mit der Gesundheit von Säugetieren zu tun haben könnten

wissenschaftliche Illustration, die pflanzliche Nahrung, Darmmikrobiom und Blutkreislauf eines Säugetiers (Schwein)  miteinander verbindet.

KI-generierte Illustration / AVA

Zytokinine gehören zu den pflanzlichen Wachstumshormonen und steuern unter anderem Zellteilung, Wachstum und Stressreaktionen. Dass diese Substanzen auch bei Säugetieren vorkommen, war bereits bekannt. Welche Bedeutung sie dort haben und aus welchen Quellen sie stammen, ist allerdings bislang nur unzureichend untersucht.

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Biozentrums der Julius-Maximilians-Universität Würzburg hat jetzt neue Erkenntnisse über Herkunft und Verteilung dieser Stoffe veröffentlicht.

Die Wissenschaftler untersuchten Zytokinine im Blut verschiedener Säugetierarten, darunter Mensch, Maus und Schwein. Dabei konnten unterschiedliche Formen dieser pflanzlichen Botenstoffe nachgewiesen werden.

Besonders interessant: Neben biologisch aktiven Verbindungen wie trans-Zeatin fanden die Forschenden auch Zeatin-O-Glucosid. Diese Verbindung gilt als inaktive Speicherform und war im Blut der untersuchten Säugetiere besonders häufig vertreten.

Ernährung und Darmmikrobiom beeinflussen die Konzentration

In kontrollierten Versuchen mit Mäusen zeigte sich, dass die Zytokininkonzentrationen deutlich von der Nahrungsaufnahme abhängen.

Bei gefütterten Tieren waren die Konzentrationen in Blut, Darmgewebe, Kot und Urin höher als bei Tieren, denen vorübergehend Futter entzogen wurde.

Eine weitere wesentliche Erkenntnis betrifft das Darmmikrobiom.

Keimfrei aufgezogene Mäuse wiesen deutlich geringere Zytokininkonzentrationen auf als Tiere mit einer normalen Darmmikrobiota. Zudem identifizierten die Wissenschaftler in mikrobiellen Genomdaten zahlreiche Gene, die mit dem Stoffwechsel von Zytokininen in Verbindung stehen.

Damit wird deutlich, dass nicht allein die Aufnahme über die Nahrung, sondern auch die mikrobielle Besiedlung des Darms zum Zytokininhaushalt beitragen kann.

Darüber hinaus fanden die Forschenden Hinweise auf eine begrenzte körpereigene Bildung dieser Stoffe.

Auch in inneren Organen nachweisbar

Bei Mäusen konnten Zytokinine nicht nur im Blut, sondern auch in vaskularisierten Geweben von Niere, Herz und Leber nachgewiesen werden.

Dies spricht für eine Verteilung der Substanzen über den Blutkreislauf.

Ob und in welchem Umfang Zytokinine in diesen Organen regulatorische Funktionen übernehmen, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Welche Bedeutung könnte das für Rinder und Schweine haben?

Aus Sicht der Nutztiermedizin sind die Ergebnisse besonders interessant, weil sie einen weiteren möglichen Zusammenhang zwischen Ernährung, Darmmikrobiom und Stoffwechsel aufzeigen.

Die genetischen Analysen der Darmmikrobiota umfassten unter anderem auch Schweine. Damit bestehen erste wissenschaftliche Anknüpfungspunkte für weiterführende Untersuchungen bei landwirtschaftlichen Nutztieren.

Für Rinder und Schweine könnten sich langfristig Fragen ergeben:

- Welchen Einfluss hat die Zusammensetzung der Futterration auf die Aufnahme von - Zytokininen?

- Welche Rolle spielt die mikrobielle Aktivität im Verdauungstrakt?

Bestehen Zusammenhänge zwischen Zytokininhaushalt, Stoffwechselregulation und entzündlichen Prozessen?

Könnte sich daraus zukünftig ein Ansatz für die Prävention bestimmter Erkrankungen ergeben?

Diese Fragen sind derzeit offen. Insbesondere für Milchkühe und Kälber liegen aus dieser Studie noch keine entsprechenden Wirkungsnachweise vor.

AVA-Einordnung: Interessanter Forschungsansatz, aber noch keine praktische Fütterungsempfehlung

Die Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) sieht in den Ergebnissen einen interessanten Beitrag zum Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Fütterung, Darmmikrobiom und Tiergesundheit.

Die Studie unterstreicht, wie komplex die biologischen Vorgänge sind, die mit der Nahrungsaufnahme und mikrobiellen Stoffwechselprozessen zusammenhängen.

Für die tierärztliche Bestandsbetreuung und die landwirtschaftliche Praxis bleibt die gezielte Förderung einer stabilen Verdauungsfunktion und bedarfsgerechten Nährstoffversorgung ein entscheidender Bestandteil der Gesundheitsvorsorge.

Allerdings darf aus dem Nachweis von Zytokininen im Säugetierorganismus nicht unmittelbar auf eine gesundheitsfördernde oder therapeutische Wirkung geschlossen werden.

AVA-Fazit: Die Würzburger Forschung eröffnet ein neues wissenschaftliches Untersuchungsfeld an der Schnittstelle zwischen Pflanzenphysiologie, Ernährung und Säugetierstoffwechsel. Ob daraus künftig konkrete Erkenntnisse für die Fütterung und Gesunderhaltung von Rindern und Schweinen entstehen, muss die weitere Forschung zeigen.

Für die AVA bestätigt die Studie vor allem eines: Landwirtschaftliches und tiermedizinisches Wissen müssen gemeinsam betrachtet werden, um die komplexen Zusammenhänge der Tiergesundheit besser zu verstehen.

Wissenschaftliche Quellen

Othman, E. M., Bencurova, E., Ferretti, P. et al. (2026): Diet and microbiome shape small-molecule cytokinin pools in mammals. Gut Microbes, 18(1), 2679497. DOI: 10.1080/19490976.2026.2679497

Julius-Maximilians-Universität Würzburg (23.06.2026): Pflanzenhormone sind fester Bestandteil der Säugetier-Physiologie.

Thieme Tiermedizin (28.10.2026): Zytokinine – Vom Pflanzenhormon zum Botenstoff im Säugetier.

Quellenlinks für die AVA-Homepage

Originalstudie – vollständiger wissenschaftlicher Text

Universität Würzburg – Forschungsmitteilung

Thieme Tiermedizin –Bericht vom 28. Oktober 2026

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Die rbb24 Reportage „Zwischen Stall und Seuche“ begleitet den erfahrenen Landtierarzt Dr. Michael Kreher durch den Elbe-Elster-Kreis in Südbrandenburg. An seiner Seite ist die Tiermedizinstudentin Hanna Netzker, die später selbst einmal Nutztiere behandeln möchte. Gemeinsam sind sie in Milchviehbetrieben, Schweineställen und bei Pferdehaltern unterwegs. Sie untersuchen Kühe, versorgen verletzte Tiere und erleben, wie aufwendig der Schutz vor Infektionskrankheiten inzwischen geworden ist. Dabei zeigt sich auch, wie anspruchsvoll der Beruf des Landtierarztes ist – und wie wichtig es ist, junge Menschen für diese Arbeit zu gewinnen.

Wachsende Herausforderungen kennt auch Mareike Wohlert: Sie ist, Leiterin des Veterinäramts im Landkreis Elbe-Elster, und mit ihrem Team für Tiergesundheit, Seuchenschutz und Tierschutz zuständig. Die Reportage begleitet die Amtstierärztinnen gemeinsam mit der Polizei zu einem Einsatz bei einer Frau, die trotz Tierhaltungsverbots erneut Tiere hält. Drei Katzen und ein Hund werden aus der Wohnung geholt. Der Einsatz zeigt eine andere, zunehmend belastende Seite des Berufs: Anfeindungen, Aggressionen und die Gefahr körperlicher Übergriffe gehören zu den Risiken der amtlichen Kontrollen.

Zwischen Tierliebe und Existenzangst, Vorsorge und Ernstfall erzählt der Film von Menschen, die Verantwortung für Tiere tragen. Und von einer Tiermedizin, die sich verändert: durch neue Krankheitserreger, strengere Schutzmaßnahmen, wirtschaftlichen Druck und die Frage, wer diese anspruchsvolle Arbeit künftig übernehmen wird.

Film von Sybille Seitz
Erstsendung: 27.10.2026 (rbb)
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