Die deutschen Milcherzeuger haben im bisherigen Jahresverlauf deutlich mehr Milch angeliefert als 2025. Nach Angaben der ZMB, veröffentlicht durch die AMI, lag die Menge von Januar bis Anfang Oktober 2026 um 4,8 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im Herbst hat sich dieser Vorsprung jedoch abgebaut: Für die Woche vom 19. bis 25. Oktober weist der Milchmarktbericht der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen eine Anlieferung knapp unter Vorjahresniveau aus. Jahresbilanz und aktuelle Wochenentwicklung müssen deshalb getrennt betrachtet werden.

Milchanlieferung: Deutliches Jahresplus – im Herbst nahezu auf Vorjahresniveau

Mehr Milch im Jahresverlauf bedeutet nicht automatisch mehr Gewinn

"Das war einmal und wäre heute verboten.

Milchmenge allein entscheidet nicht über den Betriebserfolg: Fütterung, Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit gehören zusammen.

Foto: EG Hellwig / AVA

Das kräftige Mengenwachstum der ersten Jahresmonate prägt weiterhin die deutsche Milchbilanz. Nach dem AMI-Marktbericht vom 15. Oktober lag die aufsummierte Milchanlieferung seit Jahresbeginn bis Anfang Oktober um 4,8 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. In der einzelnen 40. Kalenderwoche betrug der Vorsprung dagegen nur noch 0,6 Prozent.

Anschließend wurde die Vorjahreslinie unterschritten. Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz berichtet für die 41. Kalenderwoche von einem Rückgang um 1,3 Prozent gegenüber der Vorwoche und um 0,3 Prozent gegenüber der entsprechenden Vorjahreswoche. Für den Zeitraum vom 19. bis 25. Oktober 2026 nennt die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen auf Grundlage von MIV-Daten 585.797 Tonnen angelieferte Milch, rund 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Zahlen widersprechen sich nicht: Eine deutlich höhere Gesamtmenge seit Jahresbeginn kann mit einer inzwischen stagnierenden oder leicht rückläufigen Wochenanlieferung zusammenfallen.

Milchmenge, Rohstoffwert und Auszahlungspreis unterscheiden

Auch bei der wirtschaftlichen Bewertung lohnt ein genauer Blick. Der auf der NRW-Marktseite veröffentlichte ife-Rohstoffwert lag im September bei 42,60 Cent je Kilogramm Milch, 3,9 Cent über dem Vormonat. Dieser Wert wird aus den Verwertungserlösen für Butter und Magermilchpulver unter Berücksichtigung bestimmter Kosten berechnet. Er entspricht ausdrücklich nicht dem tatsächlichen Auszahlungspreis einer einzelnen Molkerei.

Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz berichtet zwar von steigenden Auszahlungspreisen im September, verweist aber zugleich auf die Belastung der Betriebe durch hohe Kosten. Aus einer höheren Anlieferungsmenge allein lässt sich deshalb keine Aussage über die Rentabilität des einzelnen Milchviehbetriebes ableiten.

AVA-Einordnung: Auf die gesunde und wirtschaftliche Milchproduktion kommt es an

Aus Sicht der AVA sollten Marktberichte Anlass sein, die eigenen betrieblichen Kennzahlen gemeinsam mit Tierarzt und landwirtschaftlicher Beratung zu prüfen. Entscheidend ist, unter welchen Bedingungen die verkaufte Milch erzeugt wird.

Dazu gehören Futterqualität, bedarfsgerechte Rationen, Futteraufnahme und Tiergesundheit ebenso wie Arbeitsaufwand und Behandlungskosten. Eine hohe Milchmenge ist für sich genommen weder ein Beleg für gute Tiergesundheit noch für wirtschaftlichen Erfolg.

Gerade deshalb verbindet die AVA landwirtschaftliches und tiermedizinisches Wissen: Fütterungscontrolling und vorbeugende Bestandsbetreuung helfen, Schwachstellen früh zu erkennen und Verbesserungen gezielt umzusetzen.

AVA-Fazit: Die deutsche Milchanlieferung weist im bisherigen Jahresverlauf ein deutliches Plus auf. Die Herbstzahlen zeigen jedoch eine andere Dynamik. Für die Betriebe bleibt entscheidend, Tiergesundheit, Kosten und Erlöse gemeinsam im Blick zu behalten.

Quellen

AMI: Saisonaler Rückgang der Milchmengen verlangsamt, 15. Oktober 2026

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Milchmarkt – Mengen und Rohstoffwerte

Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz: Milchmarktbericht vom 28. Oktober 2026

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