Die neuen Anforderungen infolge der europäischen EmpCo-Richtlinie verändern die Tierwohlprogramme in Deutschland deutlich. Nach Angaben der ISN sank die Zahl der bei Schweinen in der Haltungsform 3 gelisteten Programme von 39 auf fünf, in Haltungsform 4 von 16 auf ebenfalls fünf. Für Schweinehalter können damit auch Änderungen bestehender Vermarktungs- und Lieferverträge verbunden sein.

EmpCo-Regeln reduzieren Zahl der Tierwohlprogramme deutlich

Neue Vorgaben verändern die Landschaft der Tierwohlprogramme: Für Schweinehalter können sich daraus auch Konsequenzen für Vermarktung und Lieferverträge ergeben.
Foto: EG Hellwig/AVA

Von insgesamt 55 auf aktuell zehn Programme in den Haltungsformen 3 und 4 beim Schwein: Neue Anforderungen an Tierwohl- und Nachhaltigkeitsaussagen verändern die bisherige Programmlandschaft. Für Schweinehalter können daraus auch Konsequenzen für Vermarktung und Lieferverträge entstehen.

Seit Ende September 2026 zeigen sich deutliche Auswirkungen der europäischen EmpCo-Richtlinie („Empowering Consumers for the Green Transition“) auf die Tierwohlprogramme in Deutschland.

Nach Angaben der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) waren beim Schwein zuvor allein 39 Programme der Haltungsform 3 „Frischluftstall“ und weitere 16 Programme der Haltungsform 4 „Auslauf/Weide“ zugeordnet.

Aktuell werden dort nur noch jeweils fünf Programme aufgeführt.

Damit hat sich die Zahl der entsprechenden Programme zunächst von insgesamt 55 auf zehn reduziert.

Was steckt hinter EmpCo?

Die EmpCo-Richtlinie soll Verbraucher unter anderem besser vor irreführenden Umweltaussagen und nicht ausreichend belegten Nachhaltigkeitskennzeichnungen schützen.

Die europäischen Vorgaben wurden in Deutschland über Änderungen des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) umgesetzt.

Davon betroffen sind auch freiwillige Kennzeichnungssysteme und Tierwohlprogramme. Für die Einstufung in das System der „Haltungsform“ müssen Programme die entsprechenden Anforderungen erfüllen.

Dazu gehören unter anderem Vorgaben an die unabhängige Überprüfung, die Entwicklung der Programmkriterien und die Sanktionierung von Verstößen.

Noch nicht zwingend das endgültige Bild

Die derzeitige Reduzierung auf zehn Programme bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass es dauerhaft bei dieser Zahl bleiben wird.

Nach Angaben der ISN befinden sich weitere Tierwohlprogramme noch im Zulassungs- beziehungsweise Prüfverfahren. In welchem Umfang sich die Liste wieder vergrößert, bleibt deshalb abzuwarten.

Initiative Tierwohl gewinnt an Bedeutung

Eine besondere Rolle spielt in dieser Entwicklung die Initiative Tierwohl (ITW).

Sie hatte ihre Programme bereits um Angebote für die Haltungsformen 3 und 4 erweitert. Nach Darstellung der ISN konnten dadurch in den vergangenen Monaten Betriebe aus anderen Tierwohlprogrammen in entsprechende EmpCo-konforme ITW-Programme überführt werden.

Damit könnte sich die bisher stark differenzierte Landschaft der Tierwohlprogramme künftig stärker auf einige größere Systeme konzentrieren.

AVA: Schweinehalter sollten ihre Verträge genau prüfen

Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist die Veränderung keineswegs nur eine Frage der Kennzeichnung.

Entscheidend ist, welche Folgen ein Wechsel des Tierwohlprogramms für Vermarktung, Vergütung, Abnahmebedingungen und bestehende Lieferverträge hat.

Gerade bei höheren Haltungsformen haben Schweinehalter häufig erhebliche Investitionen vorgenommen und ihre Produktionsbedingungen langfristig auf bestimmte Vermarktungskonzepte ausgerichtet.

Die ISN empfiehlt betroffenen Betrieben deshalb, Änderungen ihrer Lieferverträge sorgfältig zu prüfen und insbesondere die jeweiligen Rechte und Pflichten zu beachten.

Aus Sicht der AVA ist dies ein wichtiger Hinweis: Mehr Tierwohl benötigt nicht nur klare und überprüfbare Standards, sondern ebenso verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Tierhalter.

Die jetzt sichtbare Neuordnung der Tierwohlprogramme sollte deshalb von Schweinehaltern aufmerksam verfolgt werden.

Quelle und ausführliche Originalmeldung:
ISN – Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.:
„EmpCo-Richtlinie reduziert die Vielzahl der Tierwohlprogramme“

https://www.schweine.net/news/empco-richtlinie-reduziert-vielzahl-tierwohlprogra.html

Weitere Information zur Haltungsform und den eingestuften Programmen:
https://haltungsform.de/im-ueberblick/

Weitere News